Buchmarkt: Steigende Preise, sinkende Absätze, boomende Reiseführer

Die steigenden Preise können die vielerorts sinkenden Absätze im europäischen Buchmarkt nur teilweise kompensieren.

Dies ist das Ergeb­nis einer sie­ben Län­der umfas­sen­den Son­der­aus­wer­tung von GfK Enter­tain­ment für das ver­gan­ge­ne Jahr. Zwar ver­teu­er­ten sich Bücher bei­spiels­wei­se in Deutsch­land um 1,9 Pro­zent. Aller­dings wur­den ‑3,5 Pro­zent weni­ger Titel ver­kauft, sodass auch der Umsatz um ‑1,8 Pro­zent zurück­ging. Ähn­lich sah es 2022 im Nach­bar­land Frank­reich aus: Der eben­falls um 1,9 Pro­zent gestie­ge­ne Durch­schnitts­preis konn­te das Absatz­mi­nus (-4,8 Pro­zent) nicht auf­fan­gen, wodurch der Markt mit einem Umsatz­ver­lust von ‑3,0 Pro­zent schloss. Auch in der Schweiz (-3,6 Pro­zent) und den bel­gi­schen Regio­nen Flan­dern (-2,3 Pro­zent) und Wal­lo­ni­en (-6,0 Pro­zent) schrumpf­ten die Erlö­se spürbar.

Nie­der­lan­de und Spa­ni­en mit stärks­tem Ergeb­nis seit Jahren

Obwohl der spa­ni­sche Buch­markt 2022 einen Absatz­rück­gang von ‑1,0 Pro­zent ver­zeich­ne­te, klet­ter­ten die Umsät­ze um 1,0 Pro­zent in die Höhe – und sorg­ten für das stärks­te Ver­kaufs­ni­veau seit Start des GfK-Buch­pa­nels im Jahr 2011. Die Nie­der­lan­de fuh­ren mit respek­ta­blen Umsatz­zu­wäch­sen von +3,2 Pro­zent sogar die bes­ten Erlö­se seit 2006 ein. Auch Por­tu­gal ver­mel­de­te ein kräf­ti­ges Umsatz­wachs­tum (+16,2 Pro­zent), wäh­rend Ita­li­en noch knapp im grü­nen Bereich (+0,2 Pro­zent) landete.

Im Ver­gleich mit dem Vor-Coro­na-Jahr 2019 stan­den 2022 oft­mals zwei­stel­li­ge Stei­ge­rungs­ra­ten zu Buche, die sich in Ita­li­en, den Nie­der­lan­den und Spa­ni­en auf über 18 Pro­zent belie­fen. In Deutsch­land wur­de ein Minus von ‑1,4 Pro­zent erzielt. Bei Hin­zu­nah­me der digi­ta­len Hör­bü­cher und Strea­ming-Abos aus dem GfK Con­su­mer Panel, das inkl. der phy­si­schen Buch- und Hör­buch­da­ten sowie der E‑Books eine Gesamt­ab­de­ckung des Publi­kums­ge­schäfts ermög­licht, konn­te der Buch­markt aller­dings eben­falls wach­sen (+2,6 Prozent).

Gro­ße Nach­fra­ge nach Rei­se­füh­rern, Man­gas und eng­lisch­spra­chi­gen Büchern

Nach zwei Jah­ren Coro­na-Pau­se hat­te vie­le Men­schen 2022/2023  wie­der das Rei­se­fie­ber gepackt. Dies mach­te sich bei den Rei­se­füh­rern bemerk­bar, die in allen unter­such­ten Län­dern um min­des­tens 30 Pro­zent zuleg­ten. Beson­ders groß war das Inter­es­se bei den por­tu­gie­si­schen (+84,5 Pro­zent) und Schwei­zer Urlaubs­fans (+73,2 Prozent).

Mangas/​Manhwas konn­ten ihren Auf­wärts­trend aus den Vor­jah­ren wei­ter fort­set­zen: +6,3 Pro­zent in Frank­reich, +13,0 Pro­zent in der Schweiz und +8,2 Pro­zent in Ita­li­en spre­chen eine ein­deu­ti­ge Spra­che. Vie­ler­orts noch höher fiel das Umsatz­plus bei eng­lisch­spra­chi­ger Lek­tü­re aus, sodass man hier von einem ech­ten Boom spre­chen kann. Die Zuge­win­ne reich­ten von +3,8 Pro­zent (Spa­ni­en) über +20,1 Pro­zent (Nie­der­lan­de) bis zu +75,0 Pro­zent (Wal­lo­ni­en).

Fic­tion per­formt bes­ser als Non-Fiction

Ins­ge­samt kamen fik­tio­na­le Wer­ke deut­lich bes­ser durch das ver­gan­ge­ne Jahr als Non-Fic­tion-Bücher, was sich auch an den Top-Titeln für 2022 zeigt: Neben Roma­nen (z. B. Delia Owens „Der Gesang der Fluss­kreb­se“) und Kri­mis (z. B. Joël Dickers „Die Affä­re Alas­ka San­ders“) erfreu­te sich ins­be­son­de­re das New Adult-Seg­ment wach­sen­der Beliebt­heit. Zu nen­nen ist hier u. a. Erin Dooms „Fabbri­can­te di lacrime“, das – wie eine stei­gen­de Zahl an Best­sel­lern – über die Watt­pad- und Book­Tok-Com­mu­ni­ties bekannt wurde.

Wei­te­re wie­der­keh­ren­de The­men im Buch­markt waren Russ­land (u. a. Giu­lia­no da Empo­lis Roman „Der Magi­er im Kreml“ und Ser­gueï Jirn­ovs KGB-Bericht „L’éclaireur“), die Kli­ma­kri­se (u. a. Jean-Marc Jan­co­vicis Comic „Welt ohne Ende“ und das Sach­buch „Cli­mat, cri­ses“ vom Think Tank The Shift Pro­ject) sowie Lebens­rat­ge­ber (u. a. James Cle­ars „Die 1%-Methode“).

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Quel­le: Hans Schmu­cker, GfK – Gesell­schaft für Konsumforschung
GfK SE, Nürn­berg / Gesell­schaft für Konsumforschung

Foto­credit: Ado­be­Stock 558087724

 

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