Nicht noch ein Krieg – Huthi-Rebellen im Roten Meer – Im Schatten der großen Kriege spitzt sich ein Konflikt zu, der ebenfalls das Zeug dazu hätte

„nd.DerTag“: Nicht noch ein Krieg – Kommentar zur Anti-Huthi-Mission im Roten Meer

Im Schat­ten der gro­ßen Krie­ge spitzt sich ein Kon­flikt zu, der eben­falls das Zeug dazu hät­te. Im Roten Meer, einer wich­ti­gen Han­dels­stra­ße mit Anschluss an den Suez­ka­nal, beschie­ßen jeme­ni­ti­sche Hut­hi-Rebel­len seit eini­ger Zeit und in stei­gen­der Fre­quenz vor­über­zie­hen­de Han­dels­schif­fe. Das geschieht unweit von meh­re­ren Kri­sen­her­den, die ein­an­der über­la­gern. In Jemen herrscht Krieg, befeu­ert von einer sau­di­schen Alli­anz und vom Iran mit sei­nem ohne­hin ange­spann­ten Ver­hält­nis zum Wes­ten und zu einem Teil der ara­bi­schen Welt. Der Nahe Osten ist nicht weit, Syri­en auch nicht.

Wie emp­find­lich die welt­wei­ten Han­dels- und Lie­fer­ket­ten sind, wis­sen wir nicht erst seit Coro­na. Die über­heb­li­che Rede vom Sack Reis, der in Chi­na umfällt und uns nicht stört, stimmt längst nicht mehr. In der durch­ge­tak­te­ten glo­ba­len Wirt­schaft hängt vie­les mit vie­lem zusam­men, und alles, was den Waren‑, Geld- und Pro­fit­fluss stört, wird bekämpft. Auch mili­tä­risch. Manch­mal wer­den so Pro­fit­quel­len nicht nur ver­tei­digt, son­dern erwei­tert. Nicht von unge­fähr heißt die Mili­tär­ope­ra­ti­on gegen die Hut­hi-Angrif­fe ganz schnör­kel­los Ope­ra­ti­on Pro­spe­ri­ty Guar­di­an – Hüter des Wohl­stands. Da wird die sonst gern benutz­te huma­ni­tä­re Fas­sa­de gleich weggelassen.

Geschützt wer­den soll der Wohl­stand durch Kriegs­schif­fe einer von den USA ein­ge­fä­del­ten Alli­anz. Deutsch­land über­legt noch, Nato und EU auch. Mit Waf­fen­ge­walt kann man viel­leicht eine Feu­er­pau­se im Roten Meer erzwin­gen, aber nicht die dahin­ter­ste­hen­den Kon­flik­te ent­kramp­fen. Wie für alle krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen gilt auch rund um das Rote Meer: Waf­fen sind letzt­lich kei­ne Lösung. Frie­den – und erst recht einer, der nicht auf töner­nen Füßen ste­hen soll – kann nur durch Diplo­ma­tie erreicht werden.

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Quel­le: nd.DerTag / nd.DieWoche, Redaktion
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Foto­credit: Ado­be­Stock 573332379 / Brisystem

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