BGH erleichtert Widerruf von Maklerverträgen Provision kann nach Kauf erfolgreich zurückgefordert werden

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Verbraucherrechte beim Thema Maklerprovision erheblich gestärkt.

Käu­fer von Immo­bi­li­en, die durch einen Mak­ler ver­mit­telt wur­den, kön­nen auch dann noch ihr Wider­rufs­recht in Anspruch neh­men, wenn sie bereits den Kauf­ver­trag unter­zeich­net haben. Vor­aus­set­zung hier­für ist, dass der Mak­ler den Käu­fer nicht aus­rei­chend über sein Wider­rufs­recht auf­ge­klärt hat, heißt es in dem Urteil vom 1. Dezem­ber 2022 (Az.: I ZR 2822). Im Fal­le eines erfolg­rei­chen Wider­rufs kön­nen Käu­fer dann die an den Mak­ler gezahl­te Pro­vi­si­on zurück­for­dern. Die Kanz­lei Dr. Stoll & Sau­er rät Ver­brau­chern dazu, ihre abge­schlos­se­nen Mak­ler­ver­trä­ge im kos­ten­lo­sen Online-Check prü­fen zu las­sen. Mehr Infos zu „Mak­ler­ver­trä­ge wie­der­ru­fen“ gibt es auf unse­rer Web­site. Die Kanz­lei Dr. Stoll & Sau­er gehört zu den füh­ren­den Kanz­lei­en in Deutschland.

Unkla­re Wider­rufs­be­leh­rung ver­län­gert Frist für Widerruf

Schwe­re Schlap­pe für eine Toch­ter­ge­sell­schaft der baye­ri­schen Spar­kas­sen. Die obers­ten Rich­ter am BGH qua­li­fi­zier­ten die Wider­rufs­be­leh­rung im Mak­ler­ver­trag als „wider­sprüch­lich“ und „unklar“ und somit als feh­ler­haft. Der Kun­de hat daher die Mög­lich­keit, die Beauf­tra­gung des Immo­bi­li­en­mak­lers län­ger als 14 Tage nach Ver­trags­schluss zu wider­ru­fen und in letz­ter Kon­se­quenz auch sein Geld zurück­zu­for­dern. Dabei spielt es kei­ne Rol­le, ob der Kun­de die ver­mit­tel­te Immo­bi­lie bereits gekauft hat. Ein Urteil, das auch außer­halb Bay­erns Fol­gen haben könn­te. Die Kanz­lei Dr. Stoll & Sau­er fasst das Urteil zusammen:

  • Ein Ehe­paar hat­te sich bei der Spar­kas­se in Erlan­gen als Inter­es­sent für eine Eigen­tums­woh­nung vor­mer­ken las­sen. Die Spar­kas­sen arbei­ten bun­des­weit mit Toch­ter­ge­sell­schaf­ten zusam­men, die sich auf Immo­bi­li­en spe­zia­li­siert haben. In Bay­ern ist das die Spar­kas­sen-Immo­bi­li­en-Ver­mitt­lungs-GmbH. Die­se Gesell­schaft schick­te dem Paar ein Expo­sé zur Woh­nung zu. Mit dabei war auch die Wider­rufs­be­leh­rung für den per Mail zustan­de gekom­me­ne Mak­ler­ver­trag. Der Wider­ruf konn­te an zwei Adres­sa­ten ver­schickt wer­den – also an die Spar­kas­se Erlan­gen selbst und an die Sparkassen-Immo-Gesellschaft.
  • Und genau die­se Dop­pel­kon­stel­la­ti­on ist der Spar­kas­se vor dem BGH zum Ver­häng­nis gewor­den. Der BGH kri­ti­sier­te, dass durch die unter­schied­li­chen Adres­sa­ten für den Ver­brau­cher kei­ne ein­deu­ti­ge und kla­re Infor­ma­ti­on dar­über vor­lag, wie er den Wider­ruf in die Tat umset­zen konn­te und vor allem wann die Wider­rufs­frist zu lau­fen beginnt. Auf­grund die­ses Durch­ein­an­ders hält der BGH die Wider­rufs­be­leh­rung für unwirksam.
  • Grund­sätz­lich muss ein Immo­bi­li­en­mak­ler sei­ne pri­va­ten Kun­den über deren Wider­rufs­recht infor­mie­ren. Mak­ler müs­sen bei die­ser Infor­ma­ti­on stren­ge Regeln ein­hal­ten. Bricht der Mak­ler die Regeln ver­län­gert sich die 14-tägi­ge Wider­rufs­frist auf zwölf Mona­te und 14 Tage. Das gilt auch dann, wenn die Immo­bi­lie bereits erwor­ben wor­den ist, und der Mak­ler sei­ne Pro­vi­si­on erhal­ten hat. Letzt­lich muss der Mak­ler laut BGH-Urteil sei­ne Pro­vi­si­on an den Kun­den zurück­zah­len. Der Kun­den erhält die Pro­vi­si­on von Spar­kas­se zurück.

Fazit: Das bei der Spar­kas­se Erlan­gen prak­ti­zier­te Geschäfts­mo­dell mit zwei unter­schied­li­chen Gesell­schaf­ten, die den Immo­bi­li­en­ver­kauf orga­ni­sie­ren, kommt auch in ande­ren Bun­des­län­dern zu Anwen­dung – bei­spiels­wei­se über die Lan­des­ban­ken. Daher kann das BGH-Urteil Aus­wir­kun­gen nicht nur auf die baye­ri­schen Spar­kas­sen haben, son­dern womög­lich auch auf Spar­kas­sen im Gesamt­bun­des­ge­biet. Vie­le Pro­vi­si­ons­ver­ein­ba­run­gen mit baye­ri­schen Spar­kas­sen über den Kauf oder Ver­kauf von Immo­bi­li­en kön­nen daher wider­ru­fen und die gezahl­ten Pro­vi­sio­nen zurück­ge­for­dert wer­den. Ob das Urteil auch auf Spar­kas­sen in ande­ren Bun­des­län­dern anwend­bar ist, muss im Ein­zel­fall geprüft wer­den. Die Kanz­lei Dr. Stoll & Sau­er emp­fiehlt Ver­brau­chern daher eine anwalt­li­che Bera­tung. Im kos­ten­frei­en Online-Check und der kos­ten­lo­sen Erst­be­ra­tung zei­gen wir Mög­lich­kei­ten auf, ob und wie der Mak­ler­ver­trag wider­ru­fen und die Mak­ler­pro­vi­si­on wie­der zurück­ge­holt wer­den kann.

Dr. Stoll & Sau­er gehört zu den füh­ren­den Kanzleien

Bei der Kanz­lei Dr. Stoll & Sau­er Rechts­an­walts­ge­sell­schaft mbH han­delt es sich um eine der füh­ren­den Kanz­lei­en in Deutsch­land. Mit der Exper­ti­se von 37 Anwäl­ten und Fach­an­wäl­ten steht die Kanz­lei in allen wich­ti­gen Rechts­ge­bie­ten den Man­dan­ten in den Stand­or­ten Lahr, Stutt­gart, Ken­zin­gen und Etten­heim zur Ver­fü­gung. Die Kanz­lei ist unter ande­rem auf Bank- und Kapi­tal­markt­recht sowie den Abgas­skan­dal spe­zia­li­siert. Hin­zu kom­men die The­men Arbeits‑, IT‑, Versicherungs‑, Reise‑, Sozial‑, Arbeits‑, Ver­kehrs- und Ver­wal­tungs­recht. Die Gesell­schaf­ter Dr. Ralf Stoll und Ralph Sau­er führ­ten die Mus­ter­fest­stel­lungs­kla­ge gegen die Volks­wa­gen AG, han­del­ten für 260.000 Ver­brau­cher einen 830-Mil­lio­nen-Ver­gleich aus. Aktu­ell füh­ren die Inha­ber in einer Spe­zi­al­ge­sell­schaft die Mus­ter­kla­ge gegen die Mer­ce­des-Benz Group AG.

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Quel­le: Dr. Stoll & Sau­er Rechts­an­walts­ge­sell­schaft mbH
Ori­gi­nal-Con­tent von: Dr. Stoll & Sau­er Rechts­an­walts­ge­sell­schaft mbH, über­mit­telt durch news aktuell

Foto­credit: Ado­be­Stock 582387714

 

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