Mutter-Kind-Kliniken alarmiert: Zukunft der Kliniken in Gefahr

Finanzierungslücken und Wegfall des Rettungsschirms

win­ter­berg-total­lo­kal: Win­ter­berg / Bad Wil­dun­gen / Ber­lin:  Die Coro­na-Pan­de­mie hat Spu­ren hin­ter­las­sen – auch und vor allem bei Fami­li­en. Die zum Teil extre­men Belas­tungs­si­tua­tio­nen von Fami­li­en spie­gelt sich auch in Zah­len wie­der: Um 30 Pro­zent ist aktu­ell die Nach­fra­ge in den Bera­tungs­stel­len des Müt­ter­ge­nesungs­wer­kes nach Vor­sor­ge- und Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men gestie­gen. Die Anfra­gen nach Plät­zen in Mut­ter-Kind-Kli­ni­ken sind hoch. Der Bedarf steigt. „Umso mehr scho­ckiert uns der Weg­fall des Ret­tungs­schirms für die Kli­ni­ken und die Ein­schrän­kung bei der Refi­nan­zie­rung von Hygie­ne- und Schutz­maß­nah­men“, sagt Heinz-Georg Eirund, Vor­stand Cari­tas­ver­band Bri­lon. In Trä­ger­schaft der Cari­tas Bri­lon lie­gen die Mut­ter-Kind-Kli­ni­ken St. Ursu­la in Win­ter­berg und Tali­tha in Bad Wildungen.

St. Ursu­la und Tal­ti­ha sind zwei der ins­ge­samt 70 Kli­ni­ken des Müt­ter­ge­nesungs­wer­kes in Deutsch­land. Seit Beginn der Covid-Pan­de­mie kämp­fen die eh chro­nisch unter­fi­nan­zier­ten Kli­ni­ken um ihre Exis­tenz. Ret­tungs­schir­me wur­den in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nur scheib­chen­wei­se ver­län­gert. „Und jetzt dro­hen die Coro­na-Hil­fen ganz aus­zu­lau­fen, obwohl Coro­na noch in der Welt ist“, sagt Cari­tas-Vor­stand Eirund.

So wird in den Kli­ni­ken St. Ursu­la und Tali­tha wei­ter­hin getes­tet, um die Müt­ter und Kin­der und auch die Mit­ar­bei­ten­den zu schüt­zen, indem früh Schutz­maß­nah­men im Coro­na-Fall getrof­fen wer­den kön­nen bezie­hungs­wei­se durch Mas­ken, beson­de­re Rei­ni­gungs­in­ter­val­le u.a. Infek­tio­nen im Vor­feld ver­mie­den wer­den. Die Finan­zie­rung der Schutz- und Hygie­ne­maß­nah­men ist jedoch zum 1. Juli aus­ge­lau­fen. Der aus­ge­han­del­te Rah­men­ver­trag mit den Kran­ken­kas­sen ist Geschich­te. Die Kran­ken­ver­si­che­run­gen haben ihre Erstat­tun­gen ein­ge­stellt. „Die Mut­ter-Kind-Kli­ni­ken blei­ben damit auf den  Mehr­auf­wand-Kos­ten sit­zen“, sagt Ulrich Flie­ge-Söl­ken, Fach­be­reichs­lei­ter Kli­ni­ken bei der Cari­tas Bri­lon. Auch der Schutz­schirm, der bis dato Kur­aus­fäl­le auf­grund von Covid-Infi­zie­run­gen bis zu 60 % finan­zi­ell aus­glich, ist gestri­chen worden.

Als wären die Finan­zie­rungs­lü­cke für den Coro­na-Mehr­auf­wand und der Weg­fall des Schutz­schir­mes nicht schon Pro­ble­me genug, droht im Sep­tem­ber ein wei­te­rer gra­vie­ren­der Unsi­cher­heits­fak­tor. Am 23. Sep­tem­ber soll das Gesetz zur Stär­kung des Schut­zes der Bevöl­ke­rung und ins­be­son­de­re vul­nerabler Per­so­nen­grup­pen vor COVID-19 (COVID-19-SchG) in Kraft tre­ten. Dar­in sind an sich wei­te­re Schutz­maß­nah­men für die Bevöl­ke­rung geplant. Der Schutz der Mut­ter-Kind-Kli­ni­ken wur­de aus dem Geset­zes­text jedoch gestrichen.

Knack­punkt im aktu­el­len Kabi­netts­ent­wurf ist dar­in der gestri­che­ne Para­graf 111, der Mut­ter-Kind-Kli­ni­ken wei­ter­hin die Mög­lich­keit zu geson­der­ten Ver­gü­tungs­ver­hand­lun­gen ermög­licht hät­te, damit der Betrieb auch unter Pan­de­mie­be­din­gun­gen – rela­tiv – sicher wei­ter geführt wer­den könn­te. Laut aktu­el­lem Gesetz­ent­wurf sol­len die Kli­nik-Trä­ger wie­der direkt mit den Gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen ver­han­deln – so wie vor der Pan­de­mie.  „Wir sind aber weit ent­fernt von dem Nor­mal­zu­stand“, betont Fach­be­reichs­lei­ter Flie­ge-Söl­ken. „Wir haben erheb­li­che Bele­gungs­schwan­kun­gen, kurz­fris­ti­ge Absa­gen oder auch Abrei­sen bei Infek­tio­nen. Das Risi­ko ist da und steigt wie­der mit den Infek­ti­ons­zah­len“, sagt Karin Krohn, Kli­nik­lei­tung St. Ursula.

„Wir wol­len Müt­tern und Kin­dern, also Fami­li­en hel­fen. Aber dafür brau­chen wir als Trä­ger der Ein­rich­tun­gen und Anbie­ter die­ser Hil­fen auch kon­kre­te, ver­läss­li­che Zusa­gen zur finan­zi­el­len Unter­stüt­zung. Wir for­dern eine Ver­län­ge­rung des Schutz­schir­mes. Wir for­dern, dass Fami­li­en zur Prio­ri­tät erklärt wer­den“, for­dert Cari­tas-Vor­stand Heinz-Georg Eirund. „Gera­de in die­ser Zeit der Unsi­cher­hei­ten, der mas­si­ven Her­aus­for­de­run­gen und Sor­gen müs­sen Fami­li­en gestärkt wer­den. Das ist die Basis, um die Kri­se zu bestehen und Zukunft zu gestalten.“

 

Foto­credits: Ado­be­Stock 192968296

Quel­le: Cari­tas­ver­band Bri­lon e.V.

 

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