FH SWF macht Leguminosen-Märkte transparent

FH SWF macht Leguminosen-Märkte transparent

EU fordert Herkunftsnachweise für entwaldungsfreie Lieferketten – Online-Dashboard „LeguDash“ unterstützt Markteinschätzung und Analyse

Soest: Legu­mi­no­sen (Hül­sen­früch­te) sind wert­vol­le Eiweiß­lie­fe­ran­ten für Mensch und Tier und bie­ten Poten­zia­le zur Ent­las­tung von Kli­ma und Umwelt. Weil es nach wie vor an hoch­er­trag­rei­chen Sor­ten, die aktu­el­len Qua­li­täts­stan­dards ent­spre­chen, man­gelt und es kei­ne hin­rei­chen­de Trans­pa­renz über Anbau, Prei­se und Han­del gibt, sind die Import­ra­ten für pflanz­li­che Pro­te­ine nach Euro­pa immer noch hoch. Mit „Legu­Da­sh“ haben Mit­ar­bei­ten­de der Fach­hoch­schu­le Süd­west­fa­len eine digi­ta­le Infor­ma­ti­ons­über­sicht ent­wi­ckelt, die den Anbau von Acker­boh­ne und ande­ren Körn­er­le­gu­mi­no­sen für loka­le land­wirt­schaft­li­che Betrie­be bes­ser nach­voll­zieh­bar und damit deut­lich attrak­ti­ver macht. Hin­zu kommt aktu­ell die For­de­rung der Euro­päi­schen Uni­on, künf­tig belast­ba­re Her­kunfts­nach­wei­se zu erbrin­gen. Pro­duk­te wie impor­tier­tes Soja dür­fen nach der neu­en EU-Ent­wal­dungs­ver­ord­nung (EUDR) nur auf Flä­chen pro­du­ziert wer­den, die nicht durch die Umwand­lung von Wald in Acker­land ent­stan­den sind.

Für Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher, die beim Kauf von Nah­rungs­mit­teln auf Nach­hal­tig­keit und Umwelt­schutz ach­ten, ist dies ein posi­ti­ves Signal: Die Euro­päi­sche Uni­on führt schritt­wei­se eine neue Anti-Ent­wal­dungs-Regel (EUDR) ein. Dem­nach müs­sen Betrie­be künf­tig nach­wei­sen, dass ihre Lie­fer­ket­ten ent­wal­dungs­frei sind. Konsument*innen gewin­nen Ein­blick, woher die Roh­stof­fe kom­men. Gleich­zei­tig wird für gewerb­li­che Ver­ar­bei­ter von Pflan­zen­pro­te­in die bewuss­te Kauf­ent­schei­dung für regio­na­le Pro­te­in­pflan­zen wie Körn­er­le­gu­mi­no­sen bestärkt. Von der neu­en Rege­lung ist impor­tier­tes Soja betrof­fen, regio­nal ange­bau­te Erb­sen, Acker­boh­nen und Lupi­nen nicht. „Das bedeu­tet, wer euro­päi­sche Pro­te­in­pflan­zen als Roh­stoff nutzt, hat es künf­tig bei der Rück­ver­folg­bar­keit und Nach­weis­füh­rung ein­fa­cher“, erläu­tert Pro­fes­sor Mar­cus Mer­gen­tha­ler im Zusam­men­hang mit dem For­schungs­pro­jekt „Legu­N­et“. „In die­sem Jahr haben wir zwei Mei­len­stei­ne erreicht, in unse­rem Bemü­hen, den Markt für Legu­mi­no­sen trans­pa­ren­ter zu machen“, führt Lars Wern­ze, wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter am Fach­be­reich Agrar­wirt­schaft wei­ter aus. Zum einen wur­de gemein­sam mit der Agrar­markt Infor­ma­ti­ons-Gesell­schaft (AMI) 2025 ein bun­des­wei­tes Mel­der­netz­werk auf­ge­baut. Land­wirt­schaft­li­che Betrie­be, die Legu­mi­no­sen anbau­en und ver­mark­ten, berich­ten hier frei­wil­lig ein­mal im Monat über die Situa­ti­on auf dem Feld und zum Absatz. Auf­grund die­ser Daten­ba­sis kann die AMI eine monat­li­che Markt­kom­men­tie­rung anbie­ten. So wer­den Infor­ma­ti­ons­lü­cken für Land­wirt­schaft, Han­del und Ver­ar­bei­tung geschlos­sen, die Pla­nungs­si­cher­heit erhöht und Betrie­be gewin­nen eine ver­läss­li­che Ent­schei­dungs­grund­la­ge. Detail­lier­te Infor­ma­tio­nen über Prei­se, Nach­fra­ge und Qua­li­tät sind dabei zen­tral. Zum ande­ren wird das Kon­zept von „Legu­Da­sh“ ab dem kom­men­den Jahr vom Bun­des­in­for­ma­ti­ons­zen­trum Land­wirt­schaft (BzL) als dau­er­haf­tes Ange­bot fort­ge­führt. Damit kann das „Legu­Da­sh“ als wich­ti­ges Ergeb­nis des Legu­N­et-Pro­jek­tes bei einem öffent­li­chen Trä­ger ver­ste­tigt wer­den, sodass die kos­ten­freie Nut­zung auch nach Pro­jek­ten­de gesi­chert ist. Im Legu­Da­sh wer­den Anbau‑, Preis- und Han­dels­da­ten zu Acker­boh­nen, Erb­sen, Lupi­nen und Soja inklu­si­ve über­sicht­li­cher Gra­fi­ken und Pro­gno­se­bau­stei­ne an einem digi­ta­len Ort gebün­delt. „Mit der AMI-Kom­men­tie­rung und der Ver­ste­ti­gung von Legu­Da­sh schaf­fen wir die Grund­la­ge, damit Land­wirt­schaft, Ver­ar­bei­tung und Han­del in Deutsch­land schnel­ler, ver­läss­li­cher und dau­er­haft auf die neu­en, dyna­mi­schen Rah­men­be­din­gun­gen reagie­ren kön­nen. Dabei rech­nen wir damit, dass das Inter­es­se von Legu­mi­no­sen-Anbau­ern und ‑Ver­ar­bei­tern an reprä­sen­ta­ti­ven Markt­da­ten durch die neu­en EU-For­de­run­gen stei­gen wird. Die EUDR kann also gewis­ser­ma­ßen als Chan­ce für hei­mi­sche erzeug­te Legu­mi­no­sen ver­stan­den wer­den“, freut sich Wern­ze über den Fortschritt.

Hintergrund:

Das Akro­nym „Legu­N­et“ steht für „Modell­haf­tes Demons­tra­ti­ons­netz­werk zur Aus­wei­tung und Ver­bes­se­rung des Anbaus und der Ver­wer­tung von Körn­er­le­gu­mi­no­sen in Deutsch­land“. Das For­schungs­pro­jekt der Fach­hoch­schu­le Süd­west­fa­len, Fach­be­reich Agrar­wirt­schaft, wird feder­füh­rend gelei­tet von Prof. Dr. Tan­ja Schä­fer sowie Prof. Dr. Mar­cus Mer­gen­tha­ler. Die Lauf­zeit endet Ende 2027. Das Pro­jekt wird geför­dert vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft im Rah­men der Eiweiß­pflan­zen­stra­te­gie (EPS). Das För­der­vo­lu­men beträgt ins­ge­samt 5,2 Mil­lio­nen Euro.

 

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Quel­le: Fach­hoch­schu­le Südwestfalen
Bild (Erb­se): Schnel­le, ver­läss­li­che und regel­mä­ßi­ge Markt­in­for­ma­tio­nen für Legu­mi­no­sen für land­wirt­schaft­li­che Betrie­be bereit­zu­stel­len, das ist das Ziel der For­schungs­grup­pe an der FH SWF.
Foto­credits: FH / Den­nis Köpp