Heimische Landwirte erzählen – So kommen die Tiere auf dem Bauernhof mit dem Frost bestens klar

Heimische Landwirte erzählen

Vorhang zu und Infrarotstrahler an: So kommen die Tiere auf dem Bauernhof mit dem Frost bestens klar

Tierhalter haben für eisige Kälte gut vorgesorgt, vor allem die Wasserleitung darf nicht einfrieren

Süd­west­fa­len: Es sind die­se weni­gen Tage im Jahr, an denen die moder­nen Offen­stäl­le für Rin­der eine ech­te Her­aus­for­de­rung für die Tier­hal­ter sind – ein­mal extre­me Hit­ze im Som­mer, wenn die Luft gekühlt wer­den muss und dann extre­mer Frost, wie er der­zeit herrscht. Das Wich­tigs­te dabei ist, die Was­ser­ver­sor­gung auf­recht zu erhal­ten und die Tie­re vor Zug­luft zu schützen.

Dabei haben Rin­der mehr Schwie­rig­kei­ten mit Hit­ze (dann hel­fen Sprink­ler­an­la­gen und Ven­ti­la­to­ren) als mit Käl­te, aber jetzt müs­sen sie vor allem vor dem eisi­gen Wind geschützt werden.

Da haben die Land­wir­te so ihre Tricks: Eini­ge las­sen das Was­ser ganz leicht lau­fen, ande­re packen die Lei­tun­gen warm ein und wie­der ande­re tau­en die Was­ser­lei­tun­gen mit Wär­me auf. Und auch der mor­gend­li­che Gang in den Melk­stand ist für so man­chen eine ech­te Über­win­dung: Minus zehn Grad machen Rin­dern längst nicht so viel aus wie den Men­schen, die bei Außen­tem­pe­ra­tur auch im Melk­stand mit Was­ser arbei­ten müs­sen, zum Bei­spiel um die Euter der Kühe zu rei­ni­gen. Mit Hand­schu­hen geht das nicht so gut.

 

UmlaufsystemWasser

Zitat eines Landwirts aus Wenden, Kreis Olpe, der Bioschweine hält:

„Die Schwei­ne kön­nen frei wäh­len, ob sie im Stall blei­ben oder an die fri­sche Luft gehen und sie sind auch bei Schnee ger­ne drau­ßen (s. Foto). Wobei fri­sche Luft das Zau­ber­wort für Schwei­ne ist, die war­men, ammo­ni­ak­ge­füll­ten Stäl­le von frü­her gehö­ren defi­ni­tiv der Ver­gan­gen­heit an.

Mit einem Umlauf­sys­tem (mit ange­schlos­se­nem Durch­lauf­er­hit­zer, s. Foto) und Begleit­hei­zun­gen an den Trän­ken ist die Was­ser­ver­sor­gung gesichert.

Mit einer „Mikro­kli­ma­kis­te“ sor­gen wir für ein war­mes Nest: Eine gro­ße Holz­kis­te ist oben mit einer Kokos­mat­te iso­liert und am Aus­gang mit Strei­fen­vor­hän­gen (ähn­lich wie die Flie­gen­vor­hän­gen, die man vom Zelt kennt) wind­ge­schützt – so kön­nen sich die Tie­re im täg­lich fri­schen Stroh nah neben­ein­an­der legen um sich aufzuwärmen.

Mit die­ser Aus­stat­tung ist die Käl­te für uns kein Pro­blem. Auf­fal­lend ist, dass die Fut­ter­auf­neh­me bei Minus­tem­pe­ra­tu­ren deut­lich höher ist.“

Schweine im Schnee
Schwei­ne im Schnee

 


 

Zitat eines Landwirts aus dem Hochsauerland, der Mutterkühe hält:

„Tat­säch­lich sind auch die meis­ten Mut­ter­kü­he jetzt im Stall, da sie drau­ßen kein Fut­ter mehr fin­den und wer­den des­halb genau­so geschützt wie Milch­kü­he. Sie gedei­hen im Offen­stall am bes­ten und wir hal­ten die Trän­ken mit Heiz­spi­ra­len offen.

Aber die Schot­ti­schen Hoch­land­rin­der zum Bei­spiel (s. Foto, hier aus Arns­berg-Oeven­trop) sind im Schnee so rich­tig in ihrem Ele­ment. Sie fin­den drau­ßen auch kein Fut­ter, wer­den daher in Rau­fen auf dem Feld versorgt.

Immer wie­der span­nend ist hin­ge­gen täg­lich die Pro­ze­dur, unse­re ein­ge­fro­re­nen Maschi­nen zu star­ten. Schlep­per und Hof­la­der wer­den benö­tigt, um Silo­bal­len vom Feld zu holen und das Fut­ter an die Tier­grup­pen zu verteilen.“


 

MelkroboterInfrarotstrahler
Melk­ro­bo­ter­In­fra­rot­strah­ler

Zitat eines Landwirts aus Meinerzhagen, Märkischer Kreis, der Milchkühe hält:

 

„Um die Trän­ken der Tie­re frost­frei zu hal­ten set­zen wir auf eine Ring­lei­tung mit einer Zir­ku­la­ti­ons­pum­pe bei der ab ‑5 Grad eine Hei­zung zu geschal­tet wird.

Der Melk­ro­bo­ter wird mit Infra­rot­heiz­strah­lern (s. Foto) frost­frei gehalten.

Der Spal­ten­rei­ni­gungs­ro­bo­ter kommt bis ‑6 Grad zurecht. Soll­te der Spal­ten­bo­den zu frie­ren, hilft nur noch schwe­res Gerät oder mil­de­res Wetter.

Die Rol­los, im Fach­jar­gon Courta­ins genannt, sowie Türen und Tore sind selbst­ver­ständ­lich voll­stän­dig geschlos­sen. Bei den aktu­el­len Tem­pe­ra­tu­ren funk­tio­niert alles einwandfrei.“

 

 

 

 

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Quel­le: West­fä­lisch-Lip­pi­scher Land­wirt­schafts­ver­band e.V.
Foto­credits: privat