Exakt und langlebig: Zahnmodell aus dem 3D-Drucker

Exakt und langlebig: Zahnmodell aus dem 3D-Drucker

Team des 3D-Druckzentrums der FH Südwestfalen kooperiert mit Dentaltechnik – Robuste Vorlage für Härtetest von Zahnschutz entwickelt

Soest: Seit Jah­ren pflegt der Fach­be­reich Maschi­nen­bau-Auto­ma­ti­sie­rungs­tech­nik der FH Süd­west­fa­len gute Ver­bin­dun­gen zu Her­stel­lern von Mund­schutz­en, wie sie im Eis­ho­ckey-Sport ver­wen­det wer­den. In ers­ten For­schungs­pro­jek­ten ging es um die Opti­mie­rung der Mate­ri­al­be­schaf­fen­heit im Bereich der Werk­stoff­tech­nik. Jetzt hat das Team des 3D-Druck­zen­trums in Koope­ra­ti­on mit der SCHEU-DEN­TAL GmbH aus Iser­lohn einen Zahn­ab­druck ent­wi­ckelt – gefer­tigt aus Edel­stahl in einem addi­ti­ven Ver­fah­ren. Ein wider­stands­fä­hi­ger Zahn­ab­druck ist ent­schei­dend für umfang­rei­che Belas­tungs­tests von Mundschutzen.

Zahn­ab­dru­cke im zahn­me­di­zi­ni­schen Bereich wer­den in der Regel zunächst mit elas­ti­schen Mate­ria­li­en genom­men. Die so ent­stan­de­ne Nega­tiv-Form wird mit einem Spe­zi­al­gips aus­ge­gos­sen. Das Ergeb­nis ist eine drei­di­men­sio­na­le prä­zi­se Abbil­dung des Gebis­ses, das die indi­vi­du­el­le Anpas­sung von Zahn­span­gen oder Zahn­ersatz ermög­licht. Auf die­se Wei­se wur­den bis­her auch Model­le für die Anfer­ti­gung indi­vi­du­el­ler Zahn­schut­ze aus Sili­kon her­ge­stellt, wie sie im Eis­ho­ckey benutzt wer­den. In die­ser Sport­art ist das Risi­ko für Zahn­ver­let­zun­gen durch Pucks, Schlä­ger oder Auf­präl­le sehr hoch. Ein robus­ter Zahn­schutz gilt als wich­tigs­tes Mit­tel zur Prävention.

Bevor ein Sport­mund­schutz zum Ein­satz kommt, sind eine Rei­he von Tests und Anpas­sun­gen nötig. So prü­fen Den­tal­tech­nik-Unter­neh­men wie die SCHEU-Den­tal GmbH, ob das ver­wen­de­te Mate­ri­al dem Auf­prall mit einem Eis­ho­ckey-Puck stand­hält. Ein Puck kann bei einem star­ken Schlag­schuss mehr als 160 Kilo­me­ter pro Stun­de errei­chen und eine hohe Auf­prall­en­er­gie ent­wi­ckeln. Dies wird im Rah­men der Pro­dukt­tests simu­liert. Auf die Zahn­mo­del­le wird der Mund­schutz auf­ge­bracht, die­se wer­den mit hoher Schlag­kraft kon­fron­tiert. Zwar sind die Zahn­schut­ze dabei nicht unbe­dingt beschä­digt wor­den, aber die Model­le. „Vor­her waren FDM-Bau­tei­le, also drei­di­men­sio­na­le Model­le, die im 3D-Druck­ver­fah­ren Fused Depo­si­ti­on Mode­ling Schicht für Schicht aus Kunst­stoff auf­ge­baut wor­den sind, am Prüf­stand im Ein­satz. Die sind direkt beim ers­ten Ver­such kaputt­ge­gan­gen. Unse­re Auf­ga­be war es also, ein Modell zu fer­ti­gen, dass wider­stands­fä­hig genug ist, damit die Pro­duk­te auch in Serie getes­tet wer­den kön­nen und nicht nach jedem Ver­such ein neu­es HDM-Modell ein­ge­spannt wer­den muss“, erläu­tert Ste­fan Kün­ne, der als Wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter im 3D-Druck­zen­trum wesent­lich mit dem Auf­trag betraut war.

Ent­stan­den ist ein Modell aus Edel­stahl 1.4404, ein kor­ro­si­ons­be­stän­di­ger Werk­stoff mit beson­ders guter Schweiß­bar­keit. Mit der tech­ni­schen Aus­stat­tung im 3D-Druck­zen­trum der FH in Soest unter der Lei­tung von Prof. Dr. Jens Becht­hold sind alle gän­gi­gen 3D-Druck­ver­fah­ren durch­führ­bar. Das Zahn­mo­dell für den Prüf­stand ist im SLM-Ver­fah­ren gedruckt wor­den, dabei schmilzt ein Laser Metall­pul­ver Schicht für Schicht selek­tiv aufeinander.

3D-Druck spielt auch in ande­ren Berei­chen der Den­tal­tech­nik eine immer grö­ße­re Rol­le. So berich­tet Ste­fan Kün­ne vom Netz­werktref­fen „Arbeits­kreis Zahn­tech­nik 2030“: „Wir wis­sen, dass unse­re 3D-Druckerzeug­nis­se nicht zu unter­schei­den sind von gewöhn­li­chem Halb­zeug, was Fes­tig­keit, Wider­stands­fä­hig­keit und mecha­ni­sche Eigen­schaf­ten angeht. Kera­mik­druck für Zahn­ersatz war zwar bis­her eine Her­aus­for­de­rung, wird aber bereits ange­wen­det. Auch in der Zahn­tech­nik wird es immer wei­ter in Rich­tung addi­ti­ve Fer­ti­gung gehen. Da es sich bei Zahn­ersatz immer um Uni­ka­te han­delt, die nicht in Serie pro­du­ziert wer­den, macht das auch Sinn.“ Was die Halt­bar­keit von Zahn­ersatz aus dem 3D-Dru­cker angeht, hat der Dok­to­rand kei­ne Beden­ken. Auch die Rück­mel­dung des Unter­neh­mens SCHEU-DEN­TAL GmbH zum 3D-Zahn­mo­dell aus Edel­stahl war sehr posi­tiv: „Das Teil hält bis heu­te, da haben wir wohl zu gut gearbeitet.“

 

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Quel­le: Fach­hoch­schu­le Südwestfalen
Bild: Ste­fan Kün­ne berich­te­te beim Netz­werktref­fen „Arbeits­kreis Zahn­tech­nik 2030“ über sei­ne For­schung an Mund­schutz­en im 3D-Druck­zen­trum der FH.
Foto­credits: FH / San­dra Pösentrup