Braucht der Sozialstaat ein Update?

Braucht der Sozialstaat ein Update?

Land auf, Land ab gibt es momen­tan in allen Medi­en ein beherr­schen­des The­ma. Kön­nen wir uns den Sozi­al­staat ins­ge­samt noch leis­ten? Beson­ders im Fokus ste­hen dabei die Ren­te, die Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung aber auch das Bürgergeld.

Zu all die­sen The­men hat die AG 60plus Franz Schre­we, den NRW-Vor­sit­zen­der des SoVD (Sozi­al­ver­band Deutsch­land) eingeladen.

Franz Schre­we ging in sei­nem Refe­rat auf alle The­men der Sozi­al­po­li­tik ein. Er beton­te dabei, dass es sei­ner Über­zeu­gung nach, kei­nes umfas­sen­den Updates des Sozi­al­staa­tes bedarf.

Bei den momen­ta­nen Dis­kus­sio­nen ste­hen die soge­nann­ten über­höh­ten Leis­tun­gen und Zah­lun­gen im Mit­tel­punkt der Dis­kus­si­on und die Fra­ge wie wir uns auf Dau­er die­ses Niveau noch leis­ten können.

Für Franz Schre­we gibt es kei­ne Zwei­fel, dass der Miss­brauch des Sozi­al­sys­tems, sei es beim Bür­ger­geld, aber auch beim Kin­der- und Wohn­geld oder Zah­lun­gen zur Grund­si­che­rung bei mini­ma­len Teil­zeit­ver­trä­gen, nicht län­ger hin­zu­neh­men sind.

Aber wenn wir wei­ter über die maxi­ma­len Mög­lich­kei­ten des Sozi­al­staa­tes dis­ku­tie­ren, dann müs­sen sich nach sei­ner Über­zeu­gung alle Men­schen in der BRD ange­mes­sen  an den Sozi­al­kos­ten betei­li­gen. Nicht nur über­wie­gend Arbeitnehmerinnen/​Arbeitnehmer und Arbeit­ge­ber, son­dern alle. Das sind u.a. neben unse­ren Par­la­men­ta­rie­rin­nen und Par­la­men­ta­ri­ern auch alle ande­ren Berufs­grup­pen die nicht in die gesetz­li­chen Sozi­al­sy­te­me ein­zah­len. Alle, wirk­lich alle müs­sen in die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung ein­zah­len, auch Beam­tin­nen und Beamte.

Das heißt auch, dass eige­ne Ver­sor­gungs­wer­ke von gut­ver­die­nen­den Beru­fen wie Ärz­te, Rechts­an­wäl­te, Inge­nieu­re, etc. nicht län­ger als Ersatz für die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung akzep­ta­bel sind.

Die Ver­sor­gungs­wer­ke die­nen dann nur noch der Auf­sto­ckung der gesetz­li­chen Ren­te. Neben dem Spa­ren bzw. dem Leis­tungs­ab­bau beim Sozi­al­haus­halt, gibt es nach Franz Schre­we (der als ehe­ma­li­ger Finanz­be­am­ter genau weiß, wovon er spricht) gro­ße Ein­nah­me­ver­lus­te für den Staat, allein durch Steu­er­hin­ter­zie­hun­gen und Sub­ven­ti­ons­be­trug. Damit gehen dem Staat wahr­schein­lich hohe Ein­nah­men in Mil­li­ar­den­hö­he verloren.

Als einen wich­ti­gen Schritt nann­te er in dem Zusam­men­hang, die vom Finanz­mi­nis­ter Lars Kling­beil zurück­ge­nom­me­ne Ver­jäh­rung für Cum-Ex Verfahren.

Die anschlie­ßen­de inten­si­ve Dis­kus­si­on hat­te am Ende der Ver­an­stal­tung eine kla­re Posi­ti­on zum The­ma „Braucht der Sozi­al­staat also ein Update?“

Die Ant­wort lau­tet „Jein“. Miss­brauch im sozia­len Bereich muss zukünf­tig effek­ti­ver unter­bun­den wer­den und die Ein­nah­me­sei­te des Staa­tes muss auf eine brei­te­re Basis gestellt wer­den. (z.B. höhe­re Ein­kom­mens­steu­er bei sehr, sehr hohen Ein­kom­men und
Ände­run­gen bei der Ver­mö­gens- und Erbschaftssteuer)

Dann ist wahr­schein­lich unser Sozi­al­staat, und auch die Ren­ten der jün­ge­ren Gene­ra­ti­on, auf lan­ge Zeit gerecht finanzierbar.

 

____________________________

Quel­le: SPD-Unter­be­zirk Hochsauerland
Foto­credits: SPD-Unter­be­zirk Hochsauerland