Grüne legen Gesetzentwurf für moderne Notfallversorgung vor

Grüne legen Gesetzentwurf für moderne Notfallversorgung vor

Berlin/​Meschede/​Hochsauerlandkreis: Über­füll­te Not­auf­nah­men, über­for­der­te Ret­tungs­diens­te, stun­den­lan­ge War­te­zei­ten: Die Not­fall­ver­sor­gung in Deutsch­land steht schon lan­ge kurz vor dem Kol­laps. Trotz­dem bleibt die Bun­des­re­gie­rung untä­tig. Gesund­heits­mi­nis­te­rin War­ken ver­wei­gert seit Mona­ten die Vor­la­ge des seit über einem Jahr fer­ti­gen Geset­zes zur Reform der Not­fall­ver­sor­gung und des Ret­tungs­diens­tes, obwohl die Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge stei­gen und das Per­so­nal Alarm schlägt. „War­ken schaut zu, wie das Sys­tem unter der Last zusam­men­bricht – wir Grü­ne han­deln,“ sagt San­dra Stein grü­ne Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te für den Hoch­sauer­land­kreis. „Des­halb legen wir jetzt unse­ren eige­nen Gesetz­ent­wurf vor, damit Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten end­lich wie­der ver­läss­lich Hil­fe im Not­fall bekommen.“

Der grü­ne Ent­wurf ver­netzt die Not­ruf­num­mern 112 und 116117 zu einem gemein­sa­men Gesund­heits­leit­sys­tem. Dort wer­den Anru­fe rund um die Uhr digi­tal ein­ge­schätzt und direkt an die pas­sen­de Ver­sor­gung wei­ter­ge­lei­tet: tele­fo­nisch, tele­me­di­zi­nisch, ambu­lant oder Ret­tungs­dienst. „Wer im Not­fall Hil­fe braucht, soll nicht erst über­le­gen müs­sen, wel­che Num­mer er wählt oder wo er hin­ge­hen soll – das Sys­tem muss das Über­neh­men, nicht die Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten,“ betont Stein.

Ein wei­te­rer Kern­punkt ist der Auf­bau inte­grier­ter Not­fall­zen­tren (INZ) an Kran­ken­häu­sern. Dort arbei­ten Not­auf­nah­me und ärzt­li­cher Bereit­schafts­dienst zusam­men, um Men­schen je nach Dring­lich­keit ambu­lant oder sta­tio­när zu ver­sor­gen. „Das ent­las­tet Not­auf­nah­men und schafft end­lich kla­re Wege – gera­de bei uns im Wahl­kreis, wo vie­le Kli­ni­ken und Pra­xen mit knap­pen Res­sour­cen kämp­fen,“ so die Abgeordnete.

Gleich­zei­tig wird der Ret­tungs­dienst erst­mals als eigen­stän­di­ger Teil der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ver­an­kert. Das bedeu­tet: Gemeindenotfallsanitäter:innen oder Not­fall­pfle­ge­kräf­te kön­nen künf­tig selbst behan­deln, statt Men­schen unnö­tig ins Kran­ken­haus zu brin­gen. „Heu­te müs­sen Ret­tungs­teams oft fah­ren, obwohl sie vor Ort bes­ser hel­fen könn­ten – das ist teu­er, belas­tend und inef­fi­zi­ent,“ erklärt San­dra Stein.

Wie sich das aus­wirkt, zeigt der All­tag: Eine älte­re Pati­en­tin mit ver­rutsch­tem Kathe­ter ruft die 116117 an, eine Ärz­tin schal­tet sich per Video dazu, ein Gemein­de­not­fall­sa­ni­tä­ter kommt und behan­delt vor Ort – kein Ret­tungs­wa­gen­ein­satz, kein Kran­ken­haus­auf­ent­halt. Ein fie­bern­des Kind wird nachts per Tele­me­di­zin betreut, am nächs­ten Mor­gen geht es in die Kin­der­arzt­pra­xis statt einer Nacht in der Not­auf­nah­me. Bei einem Herz­still­stand alar­miert die Leit­stel­le Ersthelfer:innen per App, weist sie zum nächs­ten Defi­bril­la­tor und lei­tet tele­fo­nisch die Reani­ma­ti­on an – Sekun­den, die Leben retten.

Zudem ent­steht mit der Reform eine flä­chen­de­ckend digi­ta­le und medi­en­bruch­freie Ret­tungs­ket­te, die Daten sicher in der elek­tro­ni­schen Pati­en­ten­ak­te doku­men­tiert und Qua­li­tät bun­des­weit über­prüf­bar macht. „Und nicht nur dass, durch die Reform spa­ren wir mit­tel­fris­tig auch noch 5 Mil­li­ar­den Euro pro Jahr in der Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung,“ sagt San­dra Stein. „Wäh­rend Minis­te­rin War­ken blo­ckiert, legen wir Grü­ne die Lösung auf den Tisch. Wer Ver­ant­wor­tung ernst nimmt, darf nicht län­ger zuschau­en, wie Men­schen auf Hil­fe war­ten, die längst orga­ni­siert sein könnte.“

 

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Quel­le: San­dra Stein MdB | Bun­des­tags­frak­ti­on Bünd­nis 90/​Die Grünen
Foto­credits: San­dra Stein