Handwerk in Südwestfalen: Aufwärtstrend nicht erkennbar

Handwerk in Südwestfalen: Aufwärtstrend nicht erkennbar

Herbstkonjunkturumfrage der Handwerkskammer: Handwerk in seitwärts verlaufender Konjunktur

Arns­berg: Die Hand­werks­kon­junk­tur in Süd­west­fa­len zeich­net ein deut­lich nega­ti­ves Bild: Seit drei Jah­ren sta­gniert die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung auf einem his­to­risch nied­ri­gen Niveau – ein kla­rer Auf­wärts­trend ist nicht erkenn­bar. Der Geschäfts­kli­ma­in­dex pen­delt wei­ter um die Mar­ke von 100 Punk­ten und signa­li­siert eine fra­gi­le Lage bei gedämpf­ten Erwar­tun­gen. Wäh­rend vie­le Betrie­be ihre aktu­el­le Geschäfts­la­ge noch als sta­bil ein­schät­zen, über­wiegt mit Blick nach vorn die Skep­sis. Auf­trä­ge und Umsät­ze ent­wi­ckeln sich rück­läu­fig, Inves­ti­tio­nen blei­ben ver­hal­ten. Das zeigt die aktu­el­le Herbst­um­fra­ge der Hand­werks­kam­mer (HwK) Süd­west­fa­len, an der rund 600 süd­west­fä­li­sche Hand­werks­be­trie­be teil­ge­nom­men haben.

„Die Kon­junk­tur im süd­west­fä­li­schen Hand­werk bewegt sich auch 2025 nur seit­wärts“, fasst Hen­drik Schmitt, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der HwK Süd­west­fa­len, die Ergeb­nis­se der Herbst­um­fra­ge zusam­men. Das span­nen­de dar­an: Fragt man die Betrie­be nach ihrer aktu­el­len Geschäfts­la­ge, bewer­ten sie 40,5 Pro­zent als befrie­di­gend und sogar 41,9 Pro­zent als gut. Auf den ers­ten Blick über­rascht das, denn in der wirt­schaft­li­chen Gesamt­la­ge sind kaum posi­ti­ve Impul­se zu erkennen.

Der Geschäfts­kli­ma­in­dex der HwK Süd­west­fa­len, der Lage und Erwar­tun­gen zusam­men­fasst, pen­delt seit 2023 um die Mar­ke von 100 Punk­ten – dem lang­fris­ti­gen Durch­schnitt. Damit befin­det sich das Hand­werk weder tief in der Kri­se noch in einer Boom­pha­se. Die noch halb­wegs sta­bi­le Lage und die ver­hal­te­nen Zukunfts­er­war­tun­gen heben sich im Index gegen­sei­tig auf.

Gedämpfte Erwartungen prägen das Bild

Wenn der Blick in die Zukunft geht, über­wiegt Skep­sis: Nur 14,7 Pro­zent der Betrie­be gehen in den kom­men­den sechs Mona­ten von einem Auf­trags­zu­wachs aus, wäh­rend dop­pelt so vie­le (30,5 Pro­zent) mit einem Rück­gang rech­nen. Beim Umsatz sieht es
ähn­lich aus: 16,9 Pro­zent erwar­ten stei­gen­de Umsät­ze, 28,9 Pro­zent dage­gen Rück­gän­ge. Damit rech­net gut die Hälf­te – 54,2 Pro­zent – mit einem unver­än­der­ten Niveau. Der seit 2023 beob­ach­te­te Trend setzt sich fort: In den ver­gan­ge­nen sechs Mona­ten mel­den 19 Pro­zent der Betrie­be Auf­trags­zu­wäch­se, aber 33,4 Pro­zent Rück­gän­ge. Bei der Umsatz­ent­wick­lung berich­ten 19,4 Pro­zent von Zuwäch­sen, 32,4 Pro­zent von Verlusten.

Die­se Ent­wick­lung fügt sich in das all­ge­mei­ne deut­sche Wirt­schafts­bild ein: Der ifo-Geschäfts­kli­ma­in­dex ist im Sep­tem­ber erneut gefal­len (von 88,9 auf 87,7 Punk­te). Von einer brei­ten Bele­bung der Kon­junk­tur ist kei­ne Spur. Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) hat im Juni 2025 zwar die Leit­zin­sen gesenkt, aller­dings sehr vor­sich­tig (25 Basis­punk­te); die Finan­zie­rungs­kos­ten für Kre­di­te lie­gen aber wei­ter­hin über dem Vor­kri­sen­ni­veau. „Das macht Inves­ti­tio­nen teu­er und bremst Pro­jek­te“, so der Hauptgeschäftsführer.

Es fehlen Impulse für einen nachhaltigen Aufschwung

„Hohe Kos­ten, zähe Geneh­mi­gungs­pro­zes­se und eine schwa­che Nach­fra­ge belas­ten die Betrie­be. Inves­ti­tio­nen blei­ben zurück­hal­tend, die Beschäf­ti­gung sta­gniert und die Auf­trags­la­ge zeigt über­wie­gend Rück­gän­ge“, erklärt Schmitt. Beson­ders der
Woh­nungs­bau und grö­ße­re Pro­jek­te sind stark betrof­fen. Infra­struk­tur­maß­nah­men und Ener­gie­wen­de­pro­jek­te im Tief­bau stüt­zen punk­tu­ell die Aus­las­tung, aber auch sie kön­nen die ins­ge­samt feh­len­de Nach­fra­ge nicht über­de­cken. „Die Kon­junk­tur sta­gniert seit drei Jah­ren auf einem his­to­risch nied­ri­gen Niveau ohne kla­ren Auf­wärts­trend. Das Bild ist ein­deu­tig: Es feh­len Impul­se für einen nach­hal­ti­gen Aufschwung.“

Investitionen und Beschäftigung unter Druck

Die Zurück­hal­tung bei Inves­ti­tio­nen ist deut­lich spür­bar: Sowohl pri­va­te Haus­hal­te als auch die öffent­li­che Hand inves­tie­ren weni­ger. Die Bereit­schaft, Geld in die Hand zu neh­men, sinkt. Der Blick nach vorn fällt noch­mals vor­sich­ti­ger aus: elf Pro­zent pla­nen höhe­re, 36 Pro­zent gerin­ge­re Inves­ti­tio­nen. Vie­le Betrie­be ver­schie­ben daher grö­ße­re Inves­ti­tio­nen oder kon­zen­trie­ren sich auf Erhalt und Effi­zi­enz­stei­ge­rung. Außer­dem bleibt die Finan­zier­ung­la­ge anspruchs­voll (Zins­ni­veau, stren­ge Kre­dit­ver­ga­be­stan­dards) – die Rah­men­be­din­gun­gen sind für vie­le zu unsi­cher. Erst spür­bar bes­se­re Finan­zie­rungs- und För­der­kon­di­tio­nen, mehr Pla­nungs­si­cher­heit und ein robus­te­rer Auf­trags­ein­gang kön­nen die Inves­ti­ti­ons­be­reit­schaft deut­lich beleben.

Auch auf dem Arbeitsmarkt ist wenig Bewegung. Das zeigt der

Beschäf­ti­gungs­kli­ma­in­di­ka­tor, der auf einem nied­ri­gen Niveau von 94,9 Punk­te ver­harrt. In den letz­ten sechs Mona­ten mel­den 14,7 Pro­zent der Betrie­be gestie­ge­ne und 17,1 Pro­zent gesun­ke­ne Per­so­nal­be­stän­de. Die Mehr­heit hält die Kapa­zi­tä­ten kon­stant und reagie­ren nur punk­tu­ell mit einem Auf- oder Abbau.

Politik gefordert: Herbst der Reformen darf nicht warten

„Das Hand­werk braucht jetzt mehr poli­ti­schen Mut. Der ange­kün­dig­te Herbst der Refor­men darf nicht län­ger hin­aus­ge­zö­gert wer­den, damit er nicht zu einem eisi­gen kon­junk­tu­rel­len Win­ter wird“, for­dert Haupt­ge­schäfts­füh­rer Schmitt ange­sichts des Bilds, dass der Kon­junk­tur­be­richt zeich­net. „Nur mit schnel­len Pla­nungs- und Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren, ver­läss­li­chen För­der­ku­lis­sen und bes­se­ren Finan­zie­rungs­be­din­gun­gen kann aus Sta­bi­li­tät wie­der Dyna­mik wer­den.“ Dazu gehö­ren unter ande­rem schlan­ke­re Ver­fah­ren bei För­der- und Kre­dit­pro­gram­men, zins­ver­bil­lig­te Ange­bo­te sowie geziel­te steu­er­li­che und
büro­kra­ti­sche Ent­las­tun­gen. „Nur so kann die Inves­ti­ti­ons­be­reit­schaft wie­der gestärkt und der Weg aus der kon­junk­tu­rel­len Seit­wärts­be­we­gung been­det werden.“

Link zum Down­load des gesam­ten Kon­junk­tur­be­richts: https://​t1p​.de/​4​v​s7n.

 

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Quel­le: Hand­werks­kam­mer Südwestfalen
Bild: HwK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Hen­drik Schmitt
Foto­credits: Boris Golz