Stress, Abscheu oder Ekelgefühle durch Geräusche

Stress, Abscheu oder Ekelgefühle durch Geräusche

Misophonie macht immer mehr Menschen auch im Hochsauerlandkreis zu schaffen

Hoch­sauer­land­kreis: Miso­pho­nie: bit­te was? Vie­le Men­schen auch im Hoch­sauer­land­kreis kön­nen mit die­sem Begriff zunächst nichts anfan­gen. Die Bezeich­nung lei­tet sich von den grie­chi­schen Begrif­fen „misos“ und „pho­ne“ ab und bedeu­tet wört­lich über­setzt ‚Hass auf Geräu­sche‘. Men­schen, die an Miso­pho­nie lei­den, reagie­ren stark emo­tio­nal auf bestimm­te Geräu­sche, die für ande­re Per­so­nen nor­ma­ler­wei­se nicht stö­rend oder sogar kaum wahr­nehm­bar sind. „Die Laut­stär­ke der Geräu­sche ist dabei nicht aus­schlag­ge­bend. Kau­en, ein trop­fen­der Was­ser­hahn oder Schmat­zen brin­gen Betrof­fe­ne in Rage und las­sen sie regel­recht aus­flip­pen. Dabei kön­nen alle Arten von Geräu­schen als Aus­lö­ser fun­gie­ren“, sagt AOK-Ser­vice­re­gi­ons­lei­ter Dirk Schneider.

Bei der Miso­pho­nie han­delt es sich um ein recht jun­ges Krank­heits­bild. Anfang des 21. Jahr­hun­derts wur­de es durch zwei US-ame­ri­ka­ni­sche Neu­ro­wis­sen­schaft­ler erst­mals beschrie­ben und benannt. Sie fan­den her­aus, dass sich Miso­pho­nie über­wie­gend in der Puber­tät ent­wi­ckelt, da sich in die­ser Pha­se das Gehirn am stärks­ten ent­wi­ckelt. Jun­ge Men­schen begin­nen, fei­ner zu hören und Gehör­tes anders zu bewer­ten. Stu­di­en gehen davon aus, dass etwa 15 bis 20 Pro­zent der Bevöl­ke­rung betrof­fen sind.

Wie entsteht Misophonie überhaupt?

Miso­pho­nie kann sehr plötz­lich und in jedem Alter ent­ste­hen. Beson­ders häu­fig beginnt sie aller­dings zwi­schen dem ach­ten und dem 13. Lebens­jahr. Prin­zi­pi­ell kann jeder Mensch Miso­pho­nie-Sym­pto­me ent­wi­ckeln. Exper­ten ver­mu­ten, dass Miso­pho­ni­ker nega­ti­ve oder trau­ma­ti­sche Erfah­run­gen erlebt haben, die sie mit einem bestimm­ten Geräusch ver­bin­den. Die­se füh­ren dann im wei­te­ren Ver­lauf zu immer aus­ge­präg­te­ren emo­tio­na­len Reak­tio­nen, wenn die­ses Geräusch erneut gehört wird. Betrof­fe­ne sind dann irri­tiert, ver­spü­ren Ärger, Angst und Frus­tra­ti­on bis hin zu Wut und sogar Hass.

Diagnose einer Misophonie:

Bis­her wird die Miso­pho­nie nicht in den offi­zi­el­len Dia­gno­se-Klas­si­fi­ka­tio­nen (ICD-10) geführt. Betrof­fe­ne soll­ten sich den­noch nicht scheu­en, sich haus­ärzt­lich zu einer mög­li­chen Bewäl­ti­gungs­stra­te­gie bera­ten zu las­sen. Von dort könn­te im Bedarfs­fall eine beglei­ten­de HNO-ärzt­li­che The­ra­pie koor­di­niert wer­den. Um die Sym­pto­me von ande­ren audi­tiven Stö­run­gen abzu­gren­zen und auch deren Schwe­re­grad zu ermit­teln, wird neben einer kör­per­li­chen und neu­ro­lo­gi­schen Unter­su­chung zunächst ein Fra­gen­ka­ta­log abge­ar­bei­tet. Die­ser arbei­tet her­aus, auf wel­che Geräu­sche beson­ders emp­find­lich reagiert wird und setzt die­se in Zusam­men­hang mit bestimm­ten Orten, Men­schen und Situationen.

Therapieansätze:

Kann die Ursa­che einer Hass­re­ak­ti­on für ein bestimm­tes Geräusch gefun­den wer­den, arbei­ten die Exper­ten häu­fig mit einer Gegen­kon­di­tio­nie­rung, bei der das Geräusch mit einem neu­en, posi­ti­ven Erleb­nis ver­bun­den wird. „Wenn die Ursa­che nicht ermit­telt wer­den kann, bie­ten sich Metho­den zur Stress­re­duk­ti­on oder zur Ent­span­nung wie zum Bei­spiel Auto­ge­nes Trai­ning, Pro­gres­si­ve Mus­kel­ent­span­nung, Yoga oder Thai-Chi an“, so Schnei­der. Betrof­fe­ne ler­nen dabei, ihre hef­ti­ge emo­tio­na­le Reak­ti­on zu kon­trol­lie­ren. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu aner­kann­ten Ent­span­nungs­me­tho­den bei den Prä­ven­ti­ons-Exper­tIn­nen der AOK Nord­West oder online unter www​.stress​-im​-griff​.de , dem kos­ten­lo­sen Anti-Stress-Pro­gramm der AOK auch für Nicht-Mitglieder.

 

___________________________

Quel­le: AOK NordWest
Bild: Men­schen, die an Miso­pho­nie lei­den, reagie­ren stark emo­tio­nal auf bestimm­te Geräu­sche, die für ande­re Per­so­nen nor­ma­ler­wei­se nicht stö­rend oder sogar kaum wahr­nehm­bar sind.
Foto­credits: AOK/​colourbox/​hfr.