Geländewagen Wolf 2 – der digitale Pionier im Test
Der Nachfolger des ikonischen Geländewagens steht in den Startlöchern. Als erster wird er serienmäßig digitalisiert sein.
Die Bundeswehr hat 1.500 Wolf 2 fest bestellt, bis zu 5.800 könnten es werden. Mit dem Nachfolger des Wolf, dem ikonischen Allzweckgeländewagen, bekommt die Truppe nicht nur leistungsstarken und robusten Ersatz, sondern auch das erste Fahrzeug, das serienmäßig mit der neuen digitalen Funk- und Führungsausstattung D‑LBODigitalisierung Landbasierte Operationen auf den Kasernenhof rollt.
Ohne große Mühe arbeitet sich der Wolf 2 durch die von Panzerketten zerpflügte Schlammpiste den Hang hinauf. Am Steuer: Erprobungsfahrer Jan M.* Er ist Teil des Teams der Wehrtechnischen Dienststelle (WTDWehrtechnische Dienststelle) 41 in Trier. Gemeinsam erproben sie dort jedes Fahrzeug, das in die Truppe kommt, bis an die Belastungsgrenze.
„Auf der Geländebahn gibt es einen Abschnitt, da quält sich der alte Wolf mit Schrittgeschwindigkeit hoch. Mit dem Wolf 2 fahre ich da ganz gemütlich mit 20 km/h lang und fordere das Material nicht einmal“, berichtet Jan M. Robust, intuitiv und leistungsstark, so der Eindruck des Erprobungsfahrers nach den ersten paar hundert Testkilometern. Verglichen mit seinem Vorgänger habe sich beim Wolf 2 das gesamte Fahrverhalten deutlich verbessert. Das mache den Geländewagen einsteigerfreundlich und weite für Profis den fahrerischen Grenzbereich deutlich aus, erzählt Jan.
Erprobung an der Belastungsgrenze
16.000 Kilometer auf unterschiedlichen Untergründen, das ist die Anforderung an die Fahrerprobung des Wolf 2. Aufgeteilt ist sie in vier Zyklen, die jeweils aus Feld- und Waldweg, Schotterpiste,
, besonders abreibungsintensivem Sand und natürlichem Gelände bestehen. Abgeleistet wird diese Prozedur durch die Erprobungsfahrer der WTDWehrtechnische Dienststelle 41 und durch Fahrroboter auf der synthetischen Bahn. Begleitet werden Fahrer oder Roboter stets von Dummys, Gewichtsplatten und Sandsäcken, um die maximale Zuladung des Wolf 2 abzubilden.
Während der Fahrzyklen wird untersucht, ob es zu Schäden oder Verschleißerscheinungen am Material gekommen ist. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für die Planung der Ersatzteilbevorratung und für die Wartungsintervalle der Fahrzeuge. „Besonders wichtig ist der erste der vier Fahrzyklen, weil dieser eine Risikobewertung enthält, die ausschlaggebend für die Freigabe der Serienfertigung ist“, erklärt der Projektleiter des Wolf 2, Peter K. Damit wird ein finaler Konstruktionsstand festgelegt, der dann in die Massenproduktion geht. „Beim Wolf 2 ist die Entscheidung zur Freigabe der Serienfertigung erfolgt“, so der Projektleiter.
Ob der Wolf 2 auch unter einen Hubschrauber gehängt werden kann, die geforderte Wat- und Steigfähigkeit erfüllt oder sicher auf die Bahn verladen werden kann, ist ebenfalls Teil der Erprobung. Hinzu kommt ein Test in der Klimakammer, in der der Geländewagen von minus 34 Grad bis plus 49 Grad temperiert und unterschiedlichen Klimabedingungen wie z.B. Nässe ausgesetzt wird. Unter allen Umständen muss die Funktionsfähigkeit möglichst ohne Einschränkungen gewährleistet sein.
Robuste Technik für den militärischen Einsatz
Die Basis des neuen Geländewagens der Bundeswehr ist die marktverfügbare G‑Klasse von Mercedes Benz in der neuesten militärischen Baureihe 464. Wie der Vorgänger bildet ein mit aufgesetzter Karosserie das Grundgerüst. „Dieses ermöglicht eine zulässige Gesamtmasse von 4,5 Tonnen, sodass der Transport von vier gefechtsbereiten Soldatinnen und Soldaten, inklusive Handwaffen, Munition, Gepäck und Verpflegung, sichergestellt ist“, erklärt Peter K. Hinzu kommt die umfangreiche digitale Funk- und Führungsausstattung. Insgesamt kann das Fahrzeug eine Nutzlast von 1,2 Tonnen aufnehmen.
Der Unterschied zur zivilen G‑Klasse liegt darin, dass der Wolf 2 ein auf rein militärische Anforderungen ausgerichtetes Fahrzeug ist, das auch nur von staatlichen Organen gekauft werden kann. „Bei der militärischen Version sind aus technischen und taktischen Gründen Ausnahmen von grundsätzlich vorgeschriebenen zivilen Standards unausweichlich“, führt Peter K. aus. So wurde unter anderem ein Euro-3-Motor verbaut, der sowohl mit NATONorth Atlantic Treaty Organization- als auch minderwertigerem Kraftstoff zurechtkommt. Zudem kann die Besatzung Schutzmaßnahmen des Motors übersteuern, um auch in kritischen Situationen für eine gewisse Zeit die volle Leistung abrufen zu können. „Insgesamt sind solche Ausnahmen notwendig, um die militärischen Aufgaben erfüllen zu können und auch in kritischen Situationen mobil zu bleiben“, so der Projektleiter.
Der Wolf 2 wird in zwei Varianten kommen: in der Version Militärpolizei für die Feldjäger und als Führungsfahrzeug für den Rest der Truppe. Dabei unterscheidet sich die Variante der Feldjäger lediglich im Detail wie der Sondersignalanlage oder der im Front- und Heckbereich integrierten Blaulichter. Die Aufgaben, die beispielsweise die Sanitäts- oder Luftlandefahrzeuge auf Wolf-Basis bisher erfüllt haben, werden zukünftig durch andere Systeme übernommen.
Pionier der digitalen Führung
Was den Wolf 2 zu einem wahren Pionier macht, ist aber nicht nur seine hohe Mobilität auf und abseits der Straße, sondern auch seine Funk- und Führungsausstattung. „Der Wolf 2 ist das erste Fahrzeug, das mit der Vollausstattung Digitalisierung Landbasierte Operationen (D‑LBODigitalisierung landbasierter Operationen) von Beginn an ausgeliefert wird und auch daraufhin konzipiert wurde“, betont Peter K. Konkret bedeutet das, dass im Heckbereich des Geländewagens eine standardisierte Haltevorrichtung – ein sogenanntes Rack – für neue digitale Funk- und Führungsgeräte eingebaut ist. Der Wolf 2 ist dadurch bestens und flexibel zur Aufnahme unterschiedlicher Geräte aus dem Programm D‑LBODigitalisierung landbasierter Operationen vorbereitet.
„Das ist eine deutliche Veränderung zur bisherigen Praxis. Bislang werden Bestandsfahrzeuge nachträglich mit D‑LBODigitalisierung landbasierter Operationen Geräten in einem reduzierten Umfang ausgestattet. Beim Wolf 2 wurde bereits bei der Konzeption des Fahrzeuges die Integration der modernen Funk- und Führungsmittel mit berücksichtigt und nach vorgegebenen Kriterien umgesetzt“, erklärt Peter K. Zudem ergibt sich aus diesem Ansatz ein weiterer Vorteil: Da sich die Welt im digitalen Bereich schneller dreht als beim Fahrzeug selbst, können in dem standardisierten Rack Innovationsschritte schneller berücksichtigt werden. „Zeit- und kostenintensive Umbauten von Fahrzeugen können so in der Zukunft weitgehend vermieden werden“, erläutert der Projektleiter.
An der Wehrtechnischen Dienststelle 81 in Greding wird die elektromagnetische Verträglichkeit des Wolf 2 und aller vorgesehenen Einbauten von Funk- und Führungsmitteln untersucht. Peter K. bestätigt, dass diese Untersuchungen schon sehr weit fortgeschritten sind und die bisherigen Ergebnisse einen positiven Abschluss der Untersuchungen erwarten lassen. Als verbindendes Element zwischen den einzelnen Funk- und Führungskomponenten dient die Software Tactical Core, sodass einerseits im Fahrzeug und andererseits auf dem Gefechtsfeld als Ganzes ein Gesamtsystem, ein Netzwerk entsteht.
Erprobungsende und Auslieferung an die Truppe
Der Vertragsschluss zwischen Hersteller und Bundeswehr erfolgte im Juli 2024. Bereits im November 2024 wurden dann die fünf Vorserienfahrzeuge des Wolf 2 zur Erprobung übergeben, die seitdem in vollem Gange ist. Bis voraussichtlich im Oktober 2025 liegen die wesentlichen Ergebnisse und Nachweise vor. Im November 2025 sollen die ersten Serienfahrzeuge an die Bundeswehr ausgeliefert werden.
Bis zu 30 Fahrzeuge pro Woche laufen dann den Depots der Bundeswehr zu, allerdings noch ohne D‑LBODigitalisierung landbasierter Operationen Ausstattung. Diese wird dann unverzüglich durch eigene Kräfte der Bundeswehr eingebaut und durch separate Firmen in Betrieb genommen. Dieser Prozess muss sich einschwingen und wird daher etwas Zeit in Anspruch nehmen, sodass spätestens ab April 2026 die Ausgabe der neuen digitalisierten Allzweckgeländewagen Wolf 2 an die Truppe in regelmäßiger Taktung läuft. Von den möglichen 5.800 Fahrzeugen aus dem geschlossenen Rahmenvertrag wurden bisher 1.500 Stück fest bestellt. Weitere Bestellungen müssen zunächst vom Bundestag gebilligt werden. Sobald der letzte Wolf 2 dann auf dem Kasernenhof steht, wird das Modell mindestens für 20 Jahre im Dienst bleiben und so die Bundeswehr für die nächsten Jahrzehnte prägen.
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Quelle: Bundeswehr
Fotocredits: @Bundeswehr/Christoph Kassette








