Handwerk in Südwestfalen zwischen Stabilität und Unsicherheit

Handwerk in Südwestfalen zwischen Stabilität und Unsicherheit

Handwerkskammer Südwestfalen fordert entschlossenes politisches Handeln mit wirtschaftsfreundlichen Rahmenbedingungen

HWK Arns­berg: Das süd­west­fä­li­sche Hand­werk star­tet zurück­hal­tend in das neue Jahr. Zwar zeigt sich in eini­gen Berei­chen eine sta­bi­le Ent­wick­lung, doch ins­ge­samt bleibt die wirt­schaft­li­che Lage ange­spannt. Das geht aus der aktu­el­len Früh­jahrs-Kon­junk­tur­um­fra­ge der Hand­werks­kam­mer (HwK) Süd­west­fa­len her­vor, an der rund 750 Mit­glieds­be­trie­be teil­ge­nom­men haben.

„Die wirt­schaft­li­che Erho­lung kommt nicht wirk­lich in Gang. Trotz einer hohen Aus­las­tung in vie­len Gewer­ken trübt sich die Stim­mung wei­ter ein“, stellt Hen­drik Schmitt, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der HwK Süd­west­fa­len, fest. „Die Unsi­cher­heit in der Poli­tik, die auch nach der Bun­des­tags­wahl wei­ter besteht, der Inves­ti­ti­ons­stau in vie­len Betrie­ben und die wei­ter­hin hohen Kos­ten belas­ten das Hand­werk erheblich.“

Gesamtwirtschaftliche Lage wirkt sich auf die Handwerksbetriebe aus

Mit einem erwar­te­ten Wachs­tum von nur 0,3 Pro­zent bleibt die gesamt­wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung deut­lich hin­ter den Erwar­tun­gen zurück – eine Ent­wick­lung, die sich unmit­tel­bar auf die Hand­werks­be­trie­be in der Regi­on aus­wirkt. Beson­ders das Bau- und Aus­bau­ge­wer­be spürt die Zurück­hal­tung der Kun­din­nen und Kun­den deut­lich. „Es fehlt an Pla­nungs­si­cher­heit. Vie­le Betrie­be ver­schie­ben Inves­ti­tio­nen – nicht, weil sie nicht wol­len, son­dern weil sie ein­fach nicht kön­nen“, erklärt Schmitt. Als Grün­de nen­nen die befrag­ten Unter­neh­mer hohe Ener­gie­prei­se, stei­gen­de Lohn­ne­ben­kos­ten, unüber­sicht­li­che För­der­land­schaf­ten sowie eine aus­ufern­de Bürokratie.

Rückhalt im Gesundheitsweisen – Druck im Lebensmittelhandwerk

Ins­ge­samt bewer­ten 41 Pro­zent der Betrie­be ihre Geschäfts­la­ge als gut (Herbst 2024: 44 Pro­zent), 39,7 Pro­zent als befrie­di­gend (Herbst 2024: 40 Pro­zent) und 19,4 Pro­zent als schlecht (Herbst 2024: 16 Pro­zent). Damit wird die Geschäfts­la­ge der ver­gan­ge­nen sechs Mona­te sogar noch etwas schlech­ter ein­ge­schätzt als bei der Umfra­ge im Herbst. Sta­bil zeigt sich das Gesund­heits­ge­wer­be, das von einer kon­junk­tur­un­ab­hän­gi­gen Nach­fra­ge pro­fi­tiert. Ganz anders die Lage im Lebens­mit­tel­hand­werk: Hier mel­den 40 Pro­zent der Betrieb eine schlech­te Geschäfts­la­ge – ein Tiefst­wert der letz­ten 15 Jahre.
Grund sind vor allem Kon­sum­zu­rück­hal­tung, gestie­ge­ne Ener­gie­kos­ten und Roh­stoff­prei­se sowie hohe Personalkosten.

Beson­ders deut­lich zeigt sich die ange­spann­te Lage im Geschäfts­kli­ma­in­dex, der zwar leicht auf 107 Punk­te steigt (Herbst 2024: 100 Punk­te), damit aber wei­ter­hin deut­lich unter den Wer­ten von vor eini­gen Jah­re liegt. „Ein unmiss­ver­ständ­li­ches Zei­chen für die gedämpf­te Stim­mung in der Gesamt­wirt­schaft und im Hand­werk. Die Ver­un­si­che­rung bleibt nach wie vor hoch“, sagt Schmitt.

Bürokratie, Energiekosten, Fachkräftemangel: Altbekannte Hemmnisse

Die Lis­te der Her­aus­for­de­run­gen ist lang – und sie ist nicht neu: Fach­kräf­te­man­gel, stei­gen­de Betriebs­kos­ten und wach­sen­de büro­kra­ti­sche Hür­den beglei­ten das Hand­werk schon lan­ge. Neu ist jedoch die Dimen­si­on, in der die­se Fak­to­ren zusam­men­spie­len und Inves­ti­tio­nen zuneh­mend aus­brem­sen. „Was unse­re Betrie­be brau­chen sind ver­läss­li­che poli­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen. Dann kann auch wie­der inves­tiert wer­den. Statt immer neu­er Vor­schrif­ten braucht es, wie vom Wahlsieger
CDU/CSU im Wahl­kampf ver­spro­chen, geziel­te Ent­las­tun­gen – und zudem ein kla­res Bekennt­nis zum Mit­tel­stand“, for­dert Schmitt.

Im Rah­men der Kon­junk­tur­um­fra­ge hat­ten die Unter­neh­men die Mög­lich­keit, kon­kre­te Fra­gen zu for­mu­lie­ren. Die HwK Süd­west­fa­len hat die­se Rück­mel­dun­gen auf­ge­grif­fen und zu sie­ben zen­tra­len The­men­be­rei­chen gebün­delt. Das dar­aus ent­stan­de­ne Posi­ti­ons­pa­pier wur­de dem Vor­sit­zen­den der CDU/C­SU-Frak­ti­on mit der Bit­te über­ge­ben, die für das Hand­werk beson­ders wich­ti­gen Anlie­gen in die wei­te­ren poli­ti­schen Gesprä­che und Ver­hand­lun­gen ein­zu­brin­gen. In einer ers­ten Ana­ly­se des Koali­ti­ons­ver­trags „Ver­ant­wor­tung für Deutsch­land“ zwi­schen CDU, CSU und SPD stell­te Schmitt fest, dass zahl­rei­che Anre­gun­gen aus dem Hand­werk und des Zen­tral­ver­bands des Deut­schen Hand­werks (ZDH) berück­sich­tigt wurden.

Handwerkskammer fordert gezielte wirtschaftspolitische Maßnahmen

Um die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung des Hand­werks wie­der zu stär­ken, for­dert die HwK Süd­west­fa­len ein ent­schlos­se­nes Han­deln der Poli­tik. „Wir brau­chen bezahl­ba­re Ener­gie­prei­se, weni­ger Büro­kra­tie und eine Begren­zung der Lohn­ne­ben­kos­ten. Ebenso
wich­tig sind ver­läss­li­che steu­er­li­che Rah­men­be­din­gun­gen und plan­ba­re För­der­pro­gram­me“, so Haupt­ge­schäfts­füh­rer Schmitt.

Trotz der schwie­ri­gen Lage betont Schmitt aber auch die Wider­stands­kraft des Hand­werks: „Unse­re Betrie­be sind nach wie vor hoch moti­viert und zei­gen jeden Tag, wie wich­tig das Hand­werk für die Men­schen in der Regi­on ist – als Arbeit­ge­ber, Ausbilder
und als wirt­schaft­li­cher Motor. Die­se Stär­ke muss mög­lichst rasch durch pas­sen­de poli­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen gestützt werden.“

Link zum Down­load des gesam­ten Kon­junk­tur­be­richts: https://​t1p​.de/​4​v​s7n

 

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Quel­le: Hand­werks­kam­mer Südwestfalen
Bild: HwK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Hen­drik Schmitt
Foto­credits: Boris Golz