„SafeSip“ soll das Feiern sicherer machen

„SafeSip“ soll das Feiern sicherer machen

Keine Chance für K.-o.-Tropfen – FH-Studierende entwickeln Trinkbecher

Soest: Wie der „Wei­ße Ring e.V.“, Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on für Betrof­fe­ne von Kri­mi­na­li­tät in Deutsch­land, auf sei­ner Home­page schreibt, gibt es kei­ne ver­läss­li­che Sta­tis­tik dar­über, wie vie­le Men­schen jedes Jahr so genann­te K.-o.-Tropfen, das sind schnell sedie­rend wir­ken­de Sub­stan­zen, auf­neh­men. Die Stof­fe sind geschmacks- und geruchs­neu­tral. Heim­lich in ein Getränk gemischt, bemer­ken vie­le Betrof­fe­ne nicht oder zu spät, dass sie Opfer einer Betäu­bung gewor­den sind – mit teils dra­ma­ti­schen Fol­gen. Stu­die­ren­de der Fach­hoch­schu­le Süd­west­fa­len haben einen Becher ent­wi­ckelt, der die unbe­merk­te Auf­nah­me von K.-o.-Tropfen ver­hin­dern soll.

Nach § 224 des Straf­ge­setz­buchs (StGB) ist das Betäu­ben mit K.-o.-Tropfen eine gefähr­li­che Körperverletzung.

Die Täter*innen wer­den jedoch nur in sel­te­nen Fäl­len gefasst. Vie­le Fäl­le kom­men nicht zur Anzei­ge, da die Betäu­bung unbe­merkt bleibt oder die Stof­fe in Blut oder Urin nicht mehr nach­ge­wie­sen wer­den kön­nen. Die Trop­fen wir­ken sehr schnell, Betrof­fe­ne sind hilf‑, wehr- und spä­ter erin­ne­rungs­los und daher poten­zi­ell gefähr­det, Opfer von sexu­el­ler Gewalt oder Dieb­stahl zu wer­den (Quel­le: Poli­zei NRW).

Das ungu­te Gefühl fei­ert also mit, das emp­fin­den auch Stu­die­ren­de im Stu­di­en­gang Design- und Pro­jekt­ma­nage­ment an der FH Süd­west­fa­len so. Im Modul Ange­wand­te Kon­struk­ti­ons­tech­nik bestand die Auf­ga­be dar­in, ein Pro­dukt aus dem täg­li­chen Bedarf zu ent­wi­ckeln. Prak­tisch ange­wen­det und wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den soll­ten dabei erlern­te Kennt­nis­se aus den Berei­chen Kon­struk­ti­on, Mate­ri­al­aus­wahl, tech­ni­sche Zeich­nung, Pro­to­ty­pen­bau und Team­ar­beit. Die elf Stu­die­ren­den waren sich schnell einig, dass sie eine pra­xis­taug­li­che Lösung, die mehr Sicher­heit beim Fei­ern ver­spricht, kon­zi­pie­ren wol­len. Zu Beginn wur­den 64 Clubbesucher*innen befragt. Dem­nach füh­len sich mehr als 80 Pro­zent zumin­dest manch­mal auf­grund von bekann­ten Vor­fäl­len in Bezug auf K.-o.-Tropfen unsi­cher. Mehr als 30 Pro­zent ken­nen jeman­dem aus dem nähe­ren Umfeld oder waren selbst bereits betrof­fen, mehr als 14 Pro­zent sind sich nicht sicher, ob ihnen schon ein­mal unbe­merkt „etwas ins Glas“ gemischt wur­de. Eine zwei­te Umfra­ge rich­te­te sich an Club- und Barbesitzer*innen. Ein Drit­tel der Befrag­ten gab an, dass sich schon mehr­mals Vor­fäl­le im eige­nen Club ereig­net haben, die meis­ten haben aber bis­lang kei­ne Vor­sichts­maß­nah­men getrof­fen. Ent­spre­chend groß ist das Inter­es­se an einem Pro­dukt, das vor der Zufuhr von Betäu­bungs­mit­teln schüt­zen kann.

Der „Safe­Sip“ ist ein Trink­be­cher, der qua­si auf dem Kopf steht. Der ein­dreh­ba­re Boden ist mit einem Dich­tungs­ring ver­se­hen, sodass kei­ne Flüs­sig­keit ent­wei­chen kann. Auf­ge­schraubt wird der Deckel, ein befüll­ba­res Gefäß, das bis auf zwei Aus­spa­run­gen an der Ober­sei­te geschlos­sen ist. Dar­in ein­ge­las­sen ist ein Stop­fen sowie eine Trink­vor­rich­tung mit inte­grier­ter Mem­bran. Durch leich­tes Ansau­gen kann Flüs­sig­keit auf­ge­nom­men wer­den. Das geschlos­se­ne Sys­tem ver­hin­dert, dass K.-o.-Tropfen unbe­merkt ins Getränk gege­ben wer­den kön­nen. Die Stu­die­ren­den haben sogar Vor­rich­tun­gen ein­ge­baut, die eine unsach­ge­mä­ße Ver­wen­dung ver­hin­dern sol­len. So ist der Deckel abge­run­det, ohne den ein­ge­schraub­ten Boden kann das Gefäß also nicht kipp­si­cher abge­stellt wer­den. Der Pro­to­typ wur­de im 3D-Druck­zen­trum der FH gefer­tigt. Im Rah­men des Design- und Mar­ke­ting­kon­zepts hat sich das Team Gedan­ken zur Farb­kom­po­si­ti­on, zu Schrift­art und Logo und zu Wer­be­maß­nah­men gemacht. Die gelun­ge­ne Abschluss­prä­sen­ta­ti­on vor Prof. Dr. Jens Becht­hold als Prü­fer und Gäs­ten des Fach­be­reichs hat die Grup­pe ermu­tigt, über eine Gebrauchs­mus­ter­an­mel­dung nachzudenken.

„SafeSip“ soll das Feiern sicherer machen
@FH/Sandra Pösen­trup

Inter­es­sier­te kön­nen sich den „Safe­Sip“ aus der Nähe anschau­en. Das Expo­nat wird neben vie­len ande­ren im Rah­men der dpm-Werk­schau am Don­ners­tag, 10. April, ab 15 Uhr, in Gebäu­de 5, Lübe­cker Ring 2, zu sehen sein.

Wei­te­re Infos und das gesam­te Pro­gramm der „Open Days“ auf dem Cam­pus in Soest sind im Netz abruf­bar unter www​.fh​-swf​.de/​c​m​s​/​o​p​e​n​d​ays.

 

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Quel­le: Fach­hoch­schu­le Südwestfalen
Bild: Prof. Dr. Jens Becht­hold (Mit­te hin­te­re Rei­he) ist ver­ant­wort­lich für das Modul Ange­wand­te Kon­struk­ti­ons­tech­nik und unter­stütz­te die Stu­die­ren­den bei der Pro­duk­ti­on eines Pro­to­typs im 3D-Druck­zen­trum der FH.
Foto­credits: FH/​Sandra Pösentrup