Phosphor-Recycling aus Klärschlammasche: Demonstrationsanlage ist in Betrieb

Phosphor-Recycling aus Klärschlammasche: Demonstrationsanlage ist in Betrieb

Wichtiger Rohstoff wird nun aus dem Abwasser zurückgewonnen

Ruhr­ver­band: Die groß­tech­ni­sche Demons­tra­ti­ons­an­la­ge zur Phos­phor­rück­ge­win­nung aus der Asche von Klär­schläm­men hat in die­ser Woche ihren offi­zi­el­len Betrieb auf­ge­nom­men. Die Anla­ge wur­de im Rah­men des AMPHO­RE-Pro­jekts nach dem PARFORCE®-Verfahren auf der Klär­an­la­ge Bot­trop der Emscher­ge­nos­sen­schaft gebaut und wird von der Phos­Rec Posphor-Recy­cling GmbH betrieben.

Die NRW-Was­ser­wirt­schafts­ver­bän­den Ruhr­ver­band, Wup­per­ver­band, Links­nie­der­rhei­ni­sche Ent­wäs­se­rungs­ge­nos­sen­schaft (LIN­EG), Emscher­ge­nos­sen­schaft und Lip­pe­ver­band (EGLV) hat­ten die Phos­Rec Phos­phor-Recy­cling GmbH im März 2020 neu gegrün­det, um sich auf die ab 2029 in Deutsch­land gel­ten­de Pflicht zur Rück­ge­win­nung von Phos­phor aus Klär­schlamm vorzubereiten.

Phos­phor ist ein wich­ti­ger Roh­stoff, der jedoch end­lich ist – die Ver­füg­bar­keit der Vor­kom­men ist stark begrenzt. Er kommt in gro­ßem Maße als Dün­ge­mit­tel zum Ein­satz und geht über den Nah­rungs­kreis­lauf ins Abwas­ser über. Das macht Abwas­ser prin­zi­pi­ell zu einer nach­hal­ti­gen Quel­le, aus der der essen­zi­el­le Nähr­stoff Phos­phor zurück­ge­won­nen und als Mate­ri­al für bei­spiels­wei­se Dün­ge­mit­tel wie­der­ver­wer­tet wer­den kann.

Die­se Quel­le wird jedoch aktu­ell kaum genutzt und der Roh­stoff Phos­phor geht dadurch wei­test­ge­hend ver­lo­ren: „Bis­her wur­den Klär­schläm­me über­wie­gend ver­brannt und deren Aschen auf Depo­nien gela­gert. Der in den Aschen ent­hal­te­ne Phos­phor wur­de damit dem Wirt­schafts­kreis­lauf ent­zo­gen“, sagt Dr. Yvonne Schnei­der, Geschäfts­füh­re­rin der Phos­Rec Phos­phor-Recy­cling GmbH.

Prof. Dr. Tors­ten Freh­mann, Geschäfts­füh­rer der Phos­Rec Phos­phor-Recy­cling GmbH, ergänzt: „Wir als (Ab-)Wasserwirtschaft wol­len einen akti­ven und posi­ti­ven Bei­trag leis­ten, um Tei­le des Bedarfs an abge­bau­tem und künst­li­chem Dün­ge­mit­tel in der EU durch rück­ge­won­ne­nen Phos­phor zu decken.“ So wird nicht nur eine künf­ti­ge Ver­pflich­tung erfüllt, son­dern auch ein Nähr­stoff­kreis­lauf geschlos­sen und eine in der EU exis­tie­ren­de Res­sour­cen­quel­le ausgeschöpft.

Mit der Demons­tra­ti­ons­an­la­ge in Bot­trop wird vor­aus­sicht­lich bis Mit­te 2026 in einer Viel­zahl von Kam­pa­gnen aus sehr unter­schied­li­chen Klär­schlamm­a­schen der ent­hal­te­ne Phos­phor in Form von Phos­phor­säu­re zurück­ge­won­nen. Phos­phor­säu­re ist eine hoch­wer­ti­ge Grund­che­mi­ka­lie, die in einer Viel­zahl indus­tri­el­ler Pro­zes­se und zur Pro­duk­ti­on von mine­ra­li­schen Dün­ge­mit­teln not­wen­dig ist

Die Anla­ge in Bot­trop ist auf eine Kapa­zi­tät von 1.000 Ton­nen Klär­schlamm­a­sche pro Jahr aus­ge­legt. Sie ist auto­ma­ti­siert und basiert auf der paten­tier­ten PAR­FORCE-Tech­no­lo­gie®. Pla­nung und Errich­tung wur­den von der PTC-PAR­FORCE Tech­no­lo­gy Coöpe­ra­ti­on GmbH aus Marl durch­ge­führt. Im Som­mer 2023 wur­de mit der Errich­tung der Anla­ge begon­nen, die im Dezem­ber 2023 abge­schlos­sen war. In der ers­ten Jah­res­hälf­te 2024 wur­den Funk­ti­ons­tests aller Ein­zel­kom­po­nen­ten und der Gesamtanlage
durch­ge­führt, im Mai 2024 erfolg­te die Ein­wei­hung. In der zwei­ten Jah­res­hälf­te wur­den die erfor­der­li­chen Leis­tungs­tests abgeschlossen.

Mit der Anla­ge soll einer­seits gezeigt wer­den, dass markt­fä­hi­ger Phos­phor aus sehr unter­schied­li­chen Klär­schlamm­a­schen ent­spre­chend der gesetz­lich gefor­der­ten Quo­te von min­des­tens 80 Pro­zent zuge­won­nen wer­den kann. Ande­rer­seits sol­len prak­ti­sche Erfah­run­gen im groß­tech­ni­schen Betrieb mit dem Ver­fah­ren bei unter­schied­li­chen Betriebs­be­din­gun­gen gesam­melt werden.

 

Zum Hintergrund:

Die Pla­nung und Errich­tung der groß­tech­ni­schen Demons­tra­ti­ons­an­la­ge sowie der Ver­suchs­be­trieb wer­den durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und For­schung (BMBF) im Rah­men des Ver­bund­pro­jekts „Regio­na­les Klär­schlamm- und Aschen- Manage­ment zum Phos­phor­re­cy­cling für einen Bal­lungs­raum“ (AMPHO­RE) inner­halb der För­der­maß­nah­me „Regio­na­les Phos­phor-Recy­cling“ (RePhoR) unter­stützt. RePhoR ist Teil der BMBF-Stra­te­gie „For­schung für Nach­hal­tig­keit“ (FONA). AMPHO­RE ist das größ­te der ins­ge­samt sie­ben geför­der­ten RePhoR-Ver­bund­pro­jek­te zur Phos­phor­rück­ge­win­nung und
wird mit rund 8,7 Mil­lio­nen Euro vom BMBF gefördert.

Über den Ruhrverband

Der Ruhr­ver­band ist ver­ant­wort­li­cher Trä­ger der umfas­sen­den Was­ser­wirt­schaft im gesam­ten Fluss­ge­biet der Ruhr mit einem Sys­tem von Tal­sper­ren zur Bewirt­schaf­tung der Was­ser­men­gen und einem flä­chen­de­cken­den Netz­werk von Abwas­ser­be­hand­lungs­an­la­gen und Ruhrstau­seen zur Rein­hal­tung der Gewäs­ser für 60 Kommunen.

 

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Quel­le: Ruhrverband
Bild: Die ver­ant­wort­li­chen Akteu­rin­nen und Akteu­re zwi­schen den Ionen­aus­tau­scher-Stu­fen der Rück­ge­win­nungs­an­la­ge: (v.L.n.r.) Cars­ten Bräu­er, Dr. Den­nis Blöh­se, Fabi­an Rovers (alle EG/​PhosRec), Chris­toph Thiel (PTC), Wil­li Mark­wart (EG/​PhosRec), And­re Bends, Dr. Rein­hard Loh­mei­er, Jür­gen Wal­ler (alle PTC), Dr. Yvonne Schnei­der (RV/​PhosRec), Prof. Tors­ten Freh­mann (EG/​PhosRec)
Foto­credits: ELGV / Rupert Oberhäuser