Machen statt reden – und zwar schnell!

Machen statt reden – und zwar schnell!

Sauerländer Holzwerkstoff- und Holzpackmittelindustrie im Gespräch mit Friedrich Merz

Ber­lin: Beim Gespräch mit CDU-Kanz­ler­kan­di­dat Fried­rich Merz in Bri­lon erläu­ter­te die Sau­er­län­der Holz­werk­stoff- und Holz­pack­mit­tel­in­dus­trie ihre wirt­schafts­po­li­ti­schen Sor­gen und unter­brei­te­te Lösungs­vor­schlä­ge, um die Wirt­schafts­kri­se Deutsch­lands zu überwinden.

„Wir sind hid­den cham­pi­ons im länd­li­chen Raum, auch im Sau­er­land“, eröff­ne­te der Prä­si­dent des Ver­bands der Deut­schen Holz­werk­stoff­in­dus­trie e.V. (VHI) Dr. Jan Berg­mann das Gespräch. „Aber wir ste­hen unter Druck. Dabei haben wir die Erfolgs­re­zep­te für effi­zi­en­tes Wirt­schaf­ten eigent­lich in der Hand. Denn wäh­rend in Brüs­sel und Ber­lin etwa noch über theo­re­ti­sche Model­le der Kreis­lauf­wirt­schaft debat­tiert wird, prak­ti­ziert die Holz­werk­stoff­in­dus­trie sie jeden Tag, wird aber dabei durch Mikro­re­gu­la­to­rik und Büro­kra­tie mas­siv ein­ge­schränkt. Anstatt uns aus­zu­brem­sen, soll­te man uns bit­te ein­fach machen las­sen.“ Die Indus­trie mach­te deut­lich, dass es einer umfas­sen­den Wirt­schafts­wen­de bedarf, um wie­der wett­be­werbs­fä­hig zu wer­den – um blei­ben zu kön­nen, denn das ist das, was die Unter­neh­men wol­len: Auch wenn sich die Unter­neh­men der Holz­werk­stoff- und Holz­pack­mit­tel­in­dus­trie unter heu­ti­gen Rah­men­be­din­gun­gen weder im Sau­er­land noch in Deutsch­land ansie­deln wür­den – sie ste­hen zu ihren Stand­or­ten, zu den Regionen!

„Die Indus­trie trei­ben hohe Geste­hungs­kos­ten etwa im Bereich der Ener­gie und Che­mie um. Sie pla­gen Roh­stoff­sor­gen im Bereich Holz durch zuneh­men­den Kon­kur­renz­druck im Bereich Frisch­holz, Säge­ne­ben­pro­duk­te und Alt­holz. Neue For­men der Holz­nut­zung kom­men auf den Markt und gleich­zei­tig wer­den wei­te­re Nut­zungs­ein­schrän­kun­gen im Forst dis­ku­tiert“, führ­te Doro­thee Flöt­ot­to, Geschäfts­füh­re­rin Sau­er­län­der Span­plat­ten, zu den der­zei­ti­gen Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen der Holz­werk­stoff­in­dus­trie aus.

Zudem wird die Indus­trie – wie die gesam­te mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft – aus­ge­bremst durch über­bor­den­de Büro­kra­tie, lang­sa­me Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren, im Ergeb­nis hemmt feh­len­de Pla­nungs­si­cher­heit jeg­li­che Inno­va­tions- und damit Inves­ti­ti­ons­ab­sich­ten. Die Indus­trie, ihre Zulie­fe­rer und ihre Absatz­märk­te ver­lie­ren im Ergeb­nis zuneh­mend ihre Wett­be­werbs­fä­hig­keit und brau­chen daher kurz­fris­ti­ge, star­ke, vor allem aber ver­läss­li­che Signa­le für eine Wirt­schafts­wen­de, sind sich die Indus­trie­ver­tre­ter einig.

Doch wie lan­ge wird die Wert­schöp­fungs­ket­te die aktu­el­len Belas­tun­gen noch aus­hal­ten? Der Ein­bruch der Absatz­märk­te der Holz­werk­stoff­in­dus­trie im Bereich Bau und Möbel schlägt sich bereits auf die Zulie­fe­rer­in­dus­trien durch: Kapa­zi­tä­ten wer­den aktu­ell redu­ziert, Per­so­nal abge­baut. Zugleich nimmt die Kon­zen­tra­ti­on in den Absatz­märk­ten zu.

„Die Holz­pack­mit­tel­in­dus­trie führt immer häu­fi­ger soge­nann­te ‚Grab­stein­auf­trä­ge‘ aus: Sie ver­packt also gan­ze Anla­gen und Unter­neh­men, die in Asi­en, Indi­en oder Afri­ka wie­der auf­ge­baut wer­den. Danach ist am deut­schen Stand­ort Schicht im Schacht. Das ist ein struk­tu­rel­les Pro­blem“, erläu­ter­te Jür­gen Rade­ma­cher, Geschäfts­füh­rer des Unter­neh­mens Rade­ma­cher Paletten.

Die Wirt­schaft ist in die­ser Kri­sen­si­tua­ti­on übri­gens auch kein Ver­suchs­ka­nin­chen für poli­ti­sche Expe­ri­men­te. Sie braucht eben­so wie ihre Kun­den Ver­läss­lich­keit, Plan­bar­keit für Inves­ti­tio­nen – für den Inlands­markt und für den Export – und kei­ne das ope­ra­ti­ve Geschäft aus­brem­sen­de Büro­kra­tie, die kei­nen öko­lo­gi­schen Mehr­wert hat, son­dern aus­schließ­lich zu Las­ten der Pro­duk­ti­vi­tät und Wirt­schaft­lich­keit der ein­hei­mi­schen Stand­or­te geht.

Daher muss nach der Wahl schnell und beherzt gehan­delt werden.

Machen statt reden
VHI

Hier­bei ist die Bau­bran­che eines der zen­tra­len Hand­lungs­fel­der, nicht nur für die bau­en­de Indus­trie, die Zulie­fe­rer­in­dus­trie und die Ein­rich­tungs­in­dus­trie, son­dern auch mit Blick ihrer gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Dimen­si­on, denn in Deutsch­land fehlt in dra­ma­ti­scher Dimen­si­on bezahl­ba­rer Wohnraum.

„Das Bekennt­nis im CDU-Wahl­pro­gramm zum bezahl­ba­ren Bau­en, zum Ent­schla­cken des Bau­ord­nungs- und Raum­ord­nungs­rechts sowie zum Büro­kra­tie­ab­bau könn­ten wir nicht deut­li­cher unter­stüt­zen. Im bezahl­ba­ren Bau­en liegt einer der Schlüs­sel zur Lösung der Wirt­schafts­kri­se unse­rer Wert­schöp­fungs­ket­te. Mit Lösun­gen wie der indus­tri­el­len Vor­fer­ti­gung und dem modu­la­ren Bau­en bie­tet die Indus­trie hier auch Lösun­gen an, die sich kurz­fris­tig umset­zen las­sen“, beton­te Ste­fan Zinn, Chief Com­mer­cial Offi­cer der Pflei­de­rer Group.

Damit der Bau-Boos­ter zün­det, brau­chen die bau­en­de Indus­trie eben­so wie die Bau­wil­li­gen in Deutsch­land eine ver­läss­li­che und lang­fris­ti­ge Investitions‑, Pla­nungs- und För­der­grund­la­ge, damit sie guten Gewis­sens eine Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dung tref­fen kön­nen. Dies betrifft sowohl den Neu­bau als auch Bau­en im Bestand, Auf­sto­ckun­gen und die ener­ge­ti­sche Sanie­rung. Durch das Hick­hack in der För­de­rung ist zuletzt viel Ver­trau­en ver­spielt wor­den. Statt Sonn­tags­re­den zur Bedeu­tung des Bau­ens mit Holz for­dert die Indus­trie tat­kräf­ti­ges und kurz­fris­ti­ges Han­deln durch einen muti­gen, spür­ba­ren Abbau von Hemm­nis­sen und eine Gleich­stel­lung des Holz­baus mit kon­ven­tio­nel­len Bauweisen.

Der Blick geht trotz aller Kri­sen­nach­rich­ten nach vor­ne und rich­tet sich kon­struk­tiv auf die Lösungen.

Dr. Berg­mann resü­miert: „Wir brau­chen nicht weni­ger als ein dras­tisch neu­es Ver­ständ­nis vom ‘Machen‘. Der Bau­be­reich kann dafür ein Pilot sein: Weg mit dem Klein-Klein bei Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung und Beschleu­ni­gung. Wir brau­chen muti­ge, ver­läss­li­che und kla­re poli­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen, die uns Luft las­sen, die uns machen las­sen, statt uns aus­zu­brem­sen. Die Unter­neh­men der Holz­werk­stoff­in­dus­trie kön­nen inso­weit Vor­bild sein, wie Trans­for­ma­ti­on gelingt, wie Kreis­lauf­wirt­schaft funk­tio­niert und wie bezahl­ba­res, schnel­les Bau­en durch indus­tri­el­le Vor­fer­ti­gung gelin­gen kann. Wir brau­chen ins­ge­samt ein star­kes, vor allem aber ein schnel­les, Signal für ein neu­es Ver­ständ­nis der Wirt­schafts­po­li­tik, die Impul­se aus den Unter­neh­men als Chan­ce betrach­tet und uns Luft für unter­neh­me­ri­sches Han­deln ver­schafft. Es ist ernst, es ist dringend.“

Die holz­ba­sier­te Wert­schöp­fungs­ket­te in Deutsch­land hat einen jähr­li­chen Gesamt­um­satz von 181 Mrd. Euro, umfasst 128.000 Unter­neh­men und 1,1 Mio. Beschäf­tig­te. Die Holz­werk­stoff­in­dus­trie ist Zulie­fe­rer für die bau­en­de Indus­trie, Möbel­in­dus­trie, Ver­pa­ckungs­in­dus­trie, aber auch für Spe­zi­al­an­wen­dun­gen wie Karos­se­rie­bau, Sport­ge­rä­te und Musik­in­stru­men­te. Wir fer­ti­gen Sperr­holz, Span­plat­ten, Faser­plat­ten, OSB-Plat­ten, Holz­fa­ser­ver­bund­werk­stof­fe und Innen­tü­ren. Die Holz­pack­mit­tel­in­dus­trie belie­fert die gesam­te indus­tri­el­le und hand­werk­li­che Wert­schöp­fungs­ket­te sowie den Han­del mit Palet­ten, Export­ver­pa­ckun­gen, Kis­ten, Kabel­trom­meln, Obst- und Gemü­se­stei­gen und Span­kör­ben aus dem nach­wach­sen­den Roh­stoff Holz. Die Mit­glie­der des HPE sind zudem Dienst­leis­ter in den Berei­chen Ver­pa­cken, Con­tai­ner­stau und Logis­tik und wich­ti­ger Sekun­där­roh­stoff­lie­fe­rant der Holzwerkstoffindustrie.

 

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Quel­le: Ver­band der Deut­schen Holz­werk­stoff­in­dus­trie e.V. (VHI)
Bild: Sau­er­län­der Mit­glieds­un­ter­neh­men des VHI und des HPE mit Fried­rich Merz am 19.1.2025 in Bri­lon v.l.n.r. ers­te Rei­he: Fried­rich Merz (Kanz­ler­kan­di­dat CDU), Dr. Jan Berg­mann (Prä­si­dent Ver­band der Deut­schen Holz­werk­stoff­in­dus­trie VHI), dahin­ter Doro­thee Flöt­ot­to (Geschäfts­füh­re­rin Sau­er­län­der Span­plat­ten), Mar­tin Ansor­ge (Geschäfts­füh­rer Egger Holz­werk­stof­fe), Hol­ger Dzeia (Direc­tor Inter­print), dahin­ter Ane­mon Stroh­mey­er (Geschäfts­füh­re­rin Ver­band der Deut­schen Holz­werk­stoff­in­dus­trie VHI), Wolf­gang Graut­hoff (Geschäfts­füh­rer GRAUT­HOFF Türen­grup­pe), Jür­gen Rade­ma­cher (Geschäfts­füh­rer Rade­ma­cher Palet­ten), Ste­fan Zinn (Chief Com­mer­cial Offi­cer Pflei­de­rer Group), Mar­cus Kirsch­ner (Geschäfts­füh­rer HPE Bun­des­ver­band Holzpackmittel)
Foto­credits: VHI