„Berliner Morgenpost“: Ausnahmezone Berlin – Leitartikel von Christine Richter zu Silvester-Attacken

Wenn die Täter allerdings – angesichts der Überlastung der Berliner Gerichte – erst in einigen Monaten verurteilt werden …

Gene­rel­les Böl­ler­ver­bot an Sil­ves­ter, all­ge­mei­nes Ver­kaufs­ver­bot für Rake­ten und Böl­ler, Ver­bot von Schreck­schuss­pis­to­len, Aus­wei­tung der Böl­ler­ver­bots­zo­nen in Ber­lin, Body­cams für alle Poli­zis­ten und Feu­er­wehr­män­ner, außer­dem Body­cams für alle Ret­tungs­wa­gen und Feu­er­wehr­lösch­fahr­zeu­ge – die Lis­te der Vor­schlä­ge nach den schlim­men Aus­schrei­tun­gen in der Sil­ves­ter­nacht in Ber­lin ist lang, denn das Ent­set­zen über die mas­si­ven Atta­cken auf Feu­er­wehr­män­ner und Poli­zis­ten ist immer noch groß. „Die woll­ten uns töten“, sagen eini­ge der Ein­satz­kräf­te. Das zeigt, wie dring­lich es ist, Kon­se­quen­zen aus den gefähr­li­chen Sil­ves­ter-Exzes­sen zu ziehen.

Vor allem stellt sich jetzt aber die Fra­ge: Wer waren die Täter? Von der Ber­li­ner Poli­zei erfuhr man zunächst nur so viel, dass 98 Pro­zent der Täter männ­lich waren, unter den deut­lich mehr als 100 Fest­ge­nom­me­nen waren „nur“ fünf Frau­en. Zum Hin­ter­grund der Täter teil­te die Ber­li­ner Poli­zei erst am Diens­tag­abend etwas mit – bei den 145 Men­schen, die vor­läu­fig fest­ge­nom­men wor­den waren, sei­en ins­ge­samt 18 ver­schie­de­ne Natio­na­li­tä­ten erfasst wor­den, 45 der Ver­däch­ti­gen hät­ten die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit, dar­auf folg­ten 27 Afgha­nen und 21 Syrer. Zuvor hat­te die Poli­zei erklärt, man hal­te sich an die Emp­feh­lun­gen des Pres­se­ko­dex. Dem­nach wird die Her­kunft nur genannt, wenn ein begrün­de­tes öffent­li­ches Inter­es­se besteht.

Aber wann, wenn nicht jetzt, besteht ein begrün­de­tes öffent­li­ches Inter­es­se dar­an, mehr über die Täter zu erfah­ren? Wie oft haben wir es in Ber­lin erlebt, dass die rot-grün-roten Lan­des­re­gie­run­gen die Pro­ble­me mit Migran­ten, bei der Inte­gra­ti­on oder in Neu­köll­ner Brenn­punk­ten klein­ge­re­det haben? Dass man die Schwie­rig­kei­ten bei der Inte­gra­ti­on nicht wahr­neh­men woll­te, son­dern statt­des­sen den Spieß umdreh­te und der Poli­zei Ras­sis­mus vor­warf? Erin­nert sei nur an das unter Rot-Rot-Grün geän­der­te Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­setz, das nun der Poli­zei die Beweis­last im Fall von Dis­kri­mi­nie­rungs­vor­wür­fen auferlegt.I

ch habe mir die Vide­os aus der Sil­ves­ter­nacht ange­se­hen, auch das, bei dem ein jun­ger Mann den Dop­pel­ad­ler, das Erken­nungs­zei­chen der Alba­ner, zeigt und dann neben einem Feu­er­wehr­mann vor lau­fen­der Kame­ra eine Schreck­schuss­pis­to­le abfeu­ert. „Wir haben gewon­nen“, ruft der Mann. Ande­re Augen­zeu­gen und Ein­satz­kräf­te berich­ten über­ein­stim­mend, dass es über­wie­gend jun­ge migran­ti­sche Män­ner waren, die mit Böl­ler und Schreck­schuss­pis­to­len Ret­tungs­wa­gen und Feu­er­wehr­män­ner gezielt angrif­fen. Wir müs­sen also über den kul­tu­rel­len und sozia­len Hin­ter­grund der Täter sprechen.

Der größ­te Teil der Fest­ge­nom­me­nen aus der Sil­ves­ter­nacht ist inzwi­schen wie­der auf frei­em Fuß. Bun­des­in­nen­mi­nis­te­rin Nan­cy Fae­ser (SPD) for­dert eine har­te Bestra­fung der Täter, eine Ver­schär­fung der Geset­ze lehnt sie ab. Schon jetzt sei eine Ver­ur­tei­lung zu einer Frei­heits­stra­fe nach sol­chen Angrif­fen auf Sicher­heits­kräf­te mög­lich, so Fae­ser. Mit sol­chen Urtei­len errei­che man, dass künf­ti­ge Täter abge­schreckt wür­den. Wenn die Täter aller­dings – ange­sichts der Über­las­tung der Ber­li­ner Gerich­te – erst in eini­gen Mona­ten ver­ur­teilt wer­den, wenn dann doch wie­der nur Geld- oder Bewäh­rungs­stra­fen ver­hängt wer­den, dann wird man genau das Gegen­teil errei­chen. Dann wer­den sich die­se jun­gen Män­ner, die schon jetzt kei­nen Respekt vor Men­schen­le­ben und vor dem deut­schen Staat haben, noch mehr her­aus­neh­men. Dann hät­ten sie wirk­lich „gewon­nen“ – und das kön­nen wir alle nicht wollen.

Quel­le: BER­LI­NER MORGENPOST
Ori­gi­nal-Con­tent von: BER­LI­NER MOR­GEN­POST, über­mit­telt durch news aktuell

Foto­credit: Ado­be­Stock 333319023

 

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